Kultur : Deutsche Außenpolitik: Die Berater

fk

In außenpolitischen Fragen lassen sich Bundesregierung und Bundestag von Stiftungen und wissenschaftlichen Instituten beraten. Unter Experten bedeutend, beim Bürger aber nahezu unbekannt ist die Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), die erst kürzlich aus Bayern nach Berlin zog. Sie wurde 1965 gegründet, hat einen Etat von gut 16 Millionen Mark und ist heute nach eigenen Angaben das größte Institut dieser Art in Westeuropa. Ihr satzungsgemäßer Zweck ist, Bundesregierung und Bundestag zu beraten. Das geschieht vor allem durch Gutachten und Studien. "Wir sagen der Politik, was bei einem Thema zu bedenken ist und welche Folgen bestimmte Schritte haben würden", sagt der stellvertretende Direktor der SWP, Albrecht Zunker.

Ähnlich geht die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) vor. Ihr Direktor Harald Müller saß zum Beispiel mit dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in der Kommission zur Zukunft der Bundeswehr. Auch in Planungsstäbe des Auswärtigen Amts werden Wissenschaftler der Stiftung "entliehen". Die 1970 gegründete HSFK hat einen Etat von rund fünf Millionen Mark.

Auch die 1955 gegründete Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Beziehungen (DGAP) berät die Politik, wirkt aber zugleich nach außen, entsendet Experten in Gesprächsrunden und lädt zu Vorträgen. Etat: 6,5 Millionen Mark. Alle drei Einrichtungen sind sich einig, dass der Umfang ihrer Arbeit gestiegen sei. "Sozialdemokratische Regierungen sind in der Regel interessierter an Beratung", ist die Erklärung von Joachim Krause, dem stellvertretenden Leiter des Forschungsinstituts der DGAP. Und: "In Berlin ist das politisch-intellektuelle Klima reichhaltiger und offener als in Bonn."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben