• Deutsche Bahn: Arbeiten am Gleis - Wie die neuen Tarife in das Gesamtkonzept der Bahn passen

Kultur : Deutsche Bahn: Arbeiten am Gleis - Wie die neuen Tarife in das Gesamtkonzept der Bahn passen

Carsten Brönstrup

Der Bahn ein neues Preissystem zu verpassen war nicht die Idee von Hartmut Mehdorn. Schon ungefähr ein Jahr bevor er im Chefsessel der Deutschen Bahn AG Platz nahm, hat eine Gruppe von Tarifexperten mit der Konzeption eines neuen Preissystems begonnen. Die meisten übrigen Reformen im Staatsunternehmen Bahn hat sich jedoch der quirlige Mehdorn ausgedacht. Seine oft benutzte Formel für die Sanierung: "Wir wollen die beste Bahn." Spätestens mit der Einführung des neuen Preissystems nach der Bundestagswahl im September 2002 soll auch der Bahnkunde merken, dass beim Unternehmen etwas in Bewegung ist.

Die neuen, günstigeren Tarife sind aber nur einer der Bausteine, mit denen Mehdorn den Wandel von der Beamten- zur Börsenbahn schaffen will. Investitionen in Waggons und Schienen, mehr Sicherheit und Sauberkeit in Zügen und Bahnhöfen, die Aufgabe von unrentablen Geschäftsfeldern und Angeboten und mehr Kundenfreundlichkeit - dieses Mammutprogramm mit dem martialischen Titel "Offensive Bahn" soll die Rentabilität in allen Sparten steigern. Und zwar schnell. Schon 2005 soll das Unternehmen über alle Geschäftssparten "mindestens neun Prozent Rendite" einfahren - derzeit sind es nur 2,5 Prozent. Mehdorn weiß, dass er dieses Ziel nur mit einem besseren Angebot, geringeren Kosten und weniger Personal erreichen kann.

Sauberkeit und Sicherheit

Momentan ist die Bahn also eine Baustelle. Für zehn Milliarden Mark will Mehdorn bis 2005 neue Züge einkaufen. Diese Anschaffung sind überfällig, mitunter setzt die Bahn bis zu 40 Jahre altes Material ein. Ein weiteres Problemkind der Bahn sind die Bahnhöfe. Sauberkeit und Sicherheit gehören für Passagiere zu den wichtigsten Leistungen, hat die Bahn in Kundenbefragungen herausgefunden, neben Pünktlichkeit und attraktiven Preisen. Mit Kameras, Notrufsäulen und mehr Sicherheitspersonal in den Hallen und auf den Bahnsteigen soll der Bahnfahrer sich vor Kriminalität geschützt fühlen. Ohnehin sollen die Bahnhöfe weg vom Schmuddel-Image: Modernisierungen und mehr Geschäfte sollen die Kunden zum shoppen locken. Und für mehr Sauberkeit will Mehdorn 70 Millionen Mark zusätzlich ausgeben. Stationen, die zu viel kosten und wenig einbringen, stehen zum Verkauf - in den kommenden Jahren jeder sechste.

Das sind noch vergleichsweise einfache Unterfangen. Heikler ist für Mehdorn die Straffung des Zug-Angebots. Nach dem nächsten Fahrplanwechsel im kommenden Jahr sollen nur noch rentable Züge auf Deutschlands Schienen unterwegs sein. Das ist derzeit noch nicht der Fall, daran hat auch die Streichung von rund 50 Interregio-Zügen Mitte Juni nichts geändert. Angebotsänderungen sind schwierig für die Bahn, denn Politiker in den Bundesländern pochen auf die Verbindungen.

Warten auf den Wettbewerb

Auch die Trennung von unrentablen Geschäftsfeldern ist umstritten. Die angekündigte Schließung von veralteten Ausbesserungswerken und die Streichung von 6000 Arbeitsplätzen hat nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Landespolitiker auf den Plan gerufen. Die größten Probleme hat Mehdorn derzeit aber mit Bundespolitikern, mit einem ganz besonders: Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) will der Bahn das Schienennetz wegnehmen. Sein Ziel: Der Wettbewerb auf der Schiene soll endlich in Gang kommen. Ohne Netz, klagt Mehdorn, könne er seine Börsenpläne jedoch begraben, außerdem sei die Sicherheit des Rad-Schiene-Systems in Gefahr. Die Bahn will noch vor der Wahl eine Entscheidung. Denn ohne Netz, heißt es, seien alle Reformpläne Makulatur - die Sanierung würde von Neuem beginnen.

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