Kultur : Deutsche Bahn: Bitte recht freundlich

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Er kann schimpfen, schreien oder mit den Fäusten auf den Bahnsteig trommeln. Aber viel mehr darf er nicht, der Fahrgast, wenn die Bahn gebummelt hat. Eine Rechtsgrundlage für Schadenersatz gibt es bisher nicht. Die Eisenbahnverkehrsordnung (EVO) schützt die Bahn vor ihren Kunden. Das ist die Ausnahme einer Regel. Denn eigentlich, nach dem allgemeinen Vertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs, bekommt ein Vertragspartner Schäden ersetzt, wenn der andere nicht pünktlich liefert - oder, im Fall der Bahn, nicht pünktlich abholt. Direkt aus dem Europarecht abgeleitete Ansprüche sind umstritten (siehe Interview). Bleibt also nur freundliches Bitten und freundliches Entgegenkommen. Und sofortiges Handeln. Es ist ratsam, sich die Verzögerung noch im Zug oder später am "Service Point" - an kleinen Bahnhöfen ist das der Fahrkartenschalter - bestätigen zu lassen. Die Standardsituationen:

Verspätet: Mit ein paar Minuten muss man leben. Geht es über 90 hinaus, hält die Bahn einen Reise-Gutschein in Höhe von 50 Mark bereit. ICE-Fahrer werden bereits ab 30 Minuten entschädigt. Sie bekommen einen Reisegutschein in Höhe des ICE-Zuschlags.

Verlassen: Wird der Anschlusszug verpasst, erinnert sich die Bahn ihrer Pflichten. Sie hat nach der EVO wenigstens dafür zu sorgen, dass der Reisende sein Ziel erreicht. Er darf deshalb alle Züge benutzen, ohne etwaige Zuschläge zahlen zu müssen.

Verloren: Fährt nichts mehr, weil der Bahnhof nicht gut angebunden ist, darf sich der Reisende auf Kosten der Bahn ein Taxi zu seinem Fahrtziel leisten. Vorstrecken muss man nichts, am Schalter bekommt man einen Taxi-Gutschein. Ist auch dies nicht möglich, wird eine Nacht im Hotel bezahlt. Auch hier muss man nichts auslegen. Das Bahnpersonal kümmert sich, sagt die Bahn.

Verpasst: Schön wäre es. Aber dass sich die Bahn zum Beispiel für gescheiterte Pauschalreisen in die Haftung nehmen lässt, wird auch künftig nicht zu erwarten sein. Gleichwohl zahlt sie die Differenz, wenn jemand mit der Linienmaschine dem verpassten Charterflug nachreisen muss. Aber einen Anspruch darauf lehnt sie ab. Freilich kann man darüber streiten. Wer große Verluste hat, sollte seinen Anwalt fragen.

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