Kultur : Deutsche Bahn: Streckenposten

Dagmar Dehmer

Was ändert sich für Familien?

Familien sind die großen Gewinner des neuen Bahn-Preissystems. Kinder bis zu sechs Jahren reisen vom Herbst 2002 an kostenlos, egal ob sie mit ihren Eltern oder allein unterwegs sind. In Begleitung eines Eltern- oder Großelternteils fahren Kinder bis zum Alter von 14 Jahren kostenlos. Allein fahren sie zum halben Preis. Bisher lag die Altersgrenze bei elf Jahren. Die neue Bahn-Card ermäßigt die Preise zwar nur noch um 25 Prozent. Kauft ein Vater oder eine Mutter eine Bahn-Card, bekommen aber alle anderen Familienmitglieder ihre Karten für eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro. Diese Regelung gilt für Kinder bis zu 17 Jahren.

Familien können aber zusätzlich Mitfahrertarife in Anspruch nehmen. Ein Beispiel: Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von fünf, sieben und 17 Jahren wollen spontan mit der Bahn verreisen. Vater, Mutter und der Jugendliche verfügen jeweils über eine Bahn-Card. Die Mutter kauft eine Fahrkarte zum Grundpreis (100 Euro), dieser wird um 25 Prozent ermäßigt (also 75 Euro), weil sie eine Bahn-Card besitzt. Der Vater und der Jugendliche gelten als Mitfahrer. Ihre Fahrkarten sind halb so teuer (37,50 Euro) und werden wegen der Bahn-Card zusätzlich um je 25 Prozent (28,13 Euro) ermäßigt. Die beiden weiteren Kinder fahren kostenlos. Daraus ergibt sich für die ganze Familie eine Summe von 131,26 Euro.

Was ändert sich für Spontanfahrer?

Wer seine Bahnfahrt nicht planen und Züge flexibel nutzen will, gehört zu den Verlierern des neuen Preissystems. Er muss den neuen Grundpreis bezahlen. Hat der Kunde eine Bahn-Card kann er seinen Fahrschein um 25 Prozent billiger bekommen. Wer eine große Strecke fährt, zahlt relativ weniger, als wenn er nur eine kurze Strecke zurücklegt. Strecken bis zu 150 Kilometer werden teurer, darüber günstiger als heute. Einen Vorteil hat der Spontanreisende allerdings gegenüber dem Frühbucher: Tritt er eine Reise gar nicht an und will den Fahrschein zurückgeben oder umtauschen, muss er dafür keine Extra-Gebühren mehr bezahlen.

Was ändert sich für Kunden, die ihre Reise planen?

Im neuen Preissystem der Bahn gibt es drei unterschiedliche Frühbucher-Rabatte. Wer Hin- und Rückfahrt mindestens sieben Tage im Voraus bucht, sich auf bestimmte Züge festlegt und mindestens eine Nacht auf einen Samstag oder einen Sonntag zwischen Hin- und Rückreise legt, kann einen Rabatt von 40 Prozent bekommen. Dieser Sonderpreis 3 kann mit einer Bahn-Card um weitere 25 Prozent gemindert werden. Allerdings steht das Angebot nicht unbegrenzt zur Verfügung. Kornelia Kneissel, Bahn-Sprecherin für den Personenverkehr, sagt: "Für gut ausgelastete Züge werden die Kontingente kleiner sein als für wenig genutzte." Wer sicher gehen will, den 40-Prozent-Rabatt tatsächlich zu bekommen, kann bis zu drei Monate plus sieben Tage vor seiner Reise bereits eine Fahrkarte kaufen. Will sich der Kunde einen Sitzplatz sichern, muss er allerdings wie bisher zusätzlich einen Platz reservieren. Tritt er die Reise nicht an, oder verpasst einen Zug, muss er für den Umtausch oder die Rückgabe der Fahrkarte Gebühren zahlen. Grafik: Die neuen Tarife der Bahn Wer Hin- und Rückfahrt mindestens drei Tage im Voraus bucht, kann einen Rabatt von 25 Prozent in Anspruch nehmen, der wie durch eine Bahn-Card um weitere 25 Prozent gemindert werden kann. Der Kunde muss sich auf bestimmte Züge festlegen. Auch bei diesem Sonderpreis 2 steht nur ein bestimmtes Kontingent von Plätzen zur Verfügung. Rückerstattung und Umtausch sind kostenpflichtig.

Wer seine Reise einen Tag im Voraus bucht, kann immer noch einen Rabatt von zehn Prozent auf den Grundpreis in Anspruch nehmen. Auch hier muss sich der Kunde auf einen bestimmten Zug festlegen und kann den Preis mit einer Bahn-Card weiter mindern. Allerdings kann er diesen Sonderpreis 1 auch dann in Anspruch nehmen, wenn er nur eine einfache Fahrt buchen möchte. Auch für dieses Angebot gilt, dass es nur begrenzt zur Verfügung steht, Umtausch oder Rückerstattung sind nur eingeschränkt möglich.

Was ändert sich bei der Bahn-Card?

Die Bahn-Card kostet künftig nur noch 60 Euro (117,34 Mark) für die 2.Klasse statt bisher 250 Mark und in der 1.Klasse 150 Euro (293,37 Mark) statt bisher 540 Mark. Allerdings ist sie auch weniger wert. Statt 50 Prozent Ermäßigung bringt die Bahn-Card nur noch einen Rabatt von 25 Prozent. Neu ist jedoch, dass die Bahn-Card zusätzlich zu Sonderpreisen, wie etwa den Frühbucher-Rabatten oder Mitfahrer-Rabatten gilt.

Was ändert sich im Nahverkehr?

In Verkehrsverbünden ändert sich erst einmal gar nichts. Die Bahn will allerdings darüber verhandeln, dass die Vergünstigungen der Bahn-Card künftig auch wieder im Nahbereich gelten. Es ist nicht besonders wahrscheinlich, dass sich viele Verbünde darauf einlassen werden, weil sie nur einen geringen Anteil an den Bahn-Card-Einnahmen als Kompensation erwarten können. Im Nahverkehr über zwei Verbünde hinweg wird es teurer. Wer auf einer Strecke bis zu 150 Kilometern pendelt, aber beispielsweise nur zwei Mal die Woche fährt, zahlt einen höheren Grundpreis. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat ausgerechnet, dass auf solche Kunden empfindliche Preiserhöhungen zukommen (siehe Grafik).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben