Deutsche Guggenheim verlässt Berlin : Schön und schmerzhaft

Grandioses Finale bei der Deutschen Guggenheim: Die New Yorker zeigen zum Abschied von Berlin und der Deutschen Bank im Rahmen ihrer „Visionen der Moderne“ unter anderem Picasso, Matisse, Monet, Delaunay und Kandinsky. Die Zukunft der Kunsthalle Unter den Linden dürfte nun jünger und internationaler werden.

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Ein bisschen gemein ist es schon: Das New Yorker Guggenheim Museum verabschiedet sich nach fünfzehn Jahren aus seiner Partnerschaft mit der Deutschen Bank und zeigt als letzten Farewell-Gruß das Beste, was es hat. Neben Amedeo Modiglianis „Akt“ aus dem Jahr 1917, der zur Gründungssammlung des New Yorker Guggenheim Museums gehört, sind das unter anderem...Alle Bilder anzeigen
Bild: Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Schenkung Solomon R. Guggenheim Founding Collection
13.11.2012 16:28Ein bisschen gemein ist es schon: Das New Yorker Guggenheim Museum verabschiedet sich nach fünfzehn Jahren aus seiner...

Irgendwie ist das gemein. Da verabschiedet sich das New Yorker Guggenheim Museum nach fünfzehn Jahren aus seiner Partnerschaft mit der Deutschen Bank und zeigt als letzten Gruß das Beste, was es hat. Picasso, Matisse, Monet, Delaunay, Kandinsky. Noch einmal trumpft das Kunsthaus mit den Klassikern der Moderne auf. Genauso effektvoll machen sich die Amerikaner davon, wie sie gekommen waren – in den schmalen, schlanken Saal, der nicht als Kassenhalle wiedererstanden, sondern zur eleganten Galerie umgewandelt worden war. Nach Restitution des einstigen Bankhaus-Sitzes war diese Neubestimmung eine Sensation. Berlin, die Hauptstadt, die sich noch zu finden suchte, deren Galerien- und Künstlerwunder noch nicht begonnen hatte, bekam eine Hand gereicht.

Deutsche Guggenheim, so lautete der Kombi-Name des Sprosses zweier Institutionen, und eine der wichtigsten Kunstadressen der Stadt war geboren. Über zwei Millionen Besucher kamen, um die insgesamt 61 Ausstellungen zu sehen. Künstler wie John Baldessari, Lawrence Weiner, Jeff Koons, die an Berlin vorübergegangen waren, fanden hier einen Ort. Die Mischung aus klassischer Schau zum Divisionismus, Impressionismus oder Konstruktivismus, Einzelausstellungen von Gerhard Richter, Neo Rauch, Hanne Darboven und neuer Positionen wie Agathe Snow, Collier Shorr und Miwa Yanagi machten den Reiz dieses Zwitterwesens aus, einer neuartigen Form von public private partnership.

„Visionen der Moderne“, das ist der letzte gemeinsame Akt. Das klingt nach einer Lehrstunde, die das Guggenheim den Bänkern erteilt, die ihre Galerie nun allein führen wollen. Gezeigt wird, was den Reichtum des Museums ausmacht: Highlights jener Gründerkollektionen des Industriellen Salomon R. Guggenheim und seiner Beraterin Hilla Rebay, der Sammlerinnen Katherine S. Dreier und Peggy Guggenheim sowie der Händler Karl Nierendorf und Justin K. Thannhauser. Auf deren Gaben baute das legendäre Museum auf, ihre Leidenschaft animierte Nachahmer zu eigenen Stiftungen, ihr Engagement war der Ausgangspunkt für eine weltweite Expansion als global player mit Standorten in Venedig, Bilbao, Salzburg, Helsinki oder Berlin.

Schön und schmerzhaft zugleich ist diese letzte Lektion, denn der Besucher bekommt mit diesen Juwelen der Kunstgeschichte vorgeführt, was er demnächst entbehrt. Nicht zuletzt in der Möglichkeit solcher Leihgaben bestand der Mehrwert einer Beziehung mit dem Guggenheim. Mit dem opulenten Akt von Amedeo Modigliani, den Abstraktionen El Lissitzkys und Aufsplitterungen von Albert Gleizes, den kubistischen Stillleben eines Juan Gris, dem Modell im Atelier von Fernand Léger macht das Museum dem Publikum das Herz nochmals schwer, denn auf lange Zeit werden die Klassiker der Moderne hier nicht mehr zu sehen sein. Die Neue Nationalgalerie zeigt bei ihrem Geschichtsgang durch das 20. Jahrhundert gerade als zweites Kapitel die Nachkriegszeit, ab kommenden Herbst die Jahre ab ’68, danach wird der Mies-van- der-Rohe-Bau renoviert. Das Mini-Version von „MoMA in Berlin“ führt vor, was fehlen wird.

Über den Abschiedsschmerz hilft auch nicht hinweg, dass vor der offiziellen Ausstellungseröffnung Stefan Krause, als Vorstandsmitglied verantwortlich für die Kunst, und sein Abteilungsleiter Friedhelm Hütte in der Lounge des Bankhauses von der Wiederauferstehung der Galerie 2013 als Deutsche-Bank-Kunsthalle berichten. Durch die abrupte Bekanntmachung vom Ende der Liaison Anfang des Jahres und der Ankündigung, stattdessen den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik fördern zu wollen, wurde damals viel Porzellan zerschlagen. Auch wenn die Kunst wieder ihr Terrain gesichert hat und der Ausstellungsort erhalten bleibt, ist Misstrauen geweckt.

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