Kultur : Deutsche in den Krieg: Sie sind zum Einsatz bereit

Robert Birnbaum

Etwa 3900 Bundeswehr-Soldaten will die Bundesregierung den USA für ihren Feldzug gegen den Terror zur Verfügung stellen - ausdrücklich nicht zum sofortigen Einsatz, sondern als jederzeit abrufbare Einsatzreserve. Die seit langem erwartete konkrete Anforderung des Nato-Partners aus Washington ging nach Auskunft von Kanzler Schröder am Montag ein. Sie umfasst ziemlich genau die Truppenteile, die die Militärplaner in den deutschen Stäben als verfügbare Einheiten aufgelistet haben. Das Ob, Wann und Wo des Einsatzes ist aber unklar. Sobald der Bundestag die Bereitstellung gebilligt hat, werden die konkreten Einheiten benannt, die dann in Bereitschaft gehen. Dass die im folgenden genannten Einzelzahlen zusammen weniger als 3900 Mann ergeben, hat technisch-juristische Gründen: So sind auch auf dem Balkan während der turnusmäßigen Wachablösung mehr Soldaten im Einsatz als im Normalfall. Das deutsche Angebot umfasst:

Zum Thema Reaktionen: Der Bundestag zum geplanten Einsatz von Bundeswehrsoldaten
Hintergrund: Die Anforderungsliste der USA
Stichwort: Spürpanzer "Fuchs"
Stichwort: Kommando Spezialkräfte (KSK)
Online Spezial: Terror und die Folgen
Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan
1. Ein ABC-Abwehrbataillon. Das sind etwa 800 Mann mit - je nach Ausstattung - zwölf bis 18 Spürpanzern vom Typ "Fuchs". Das gepanzerte Radfahrzeug ist eine Art rollendes Labor, das Verseuchung durch chemische, biologische und Atomwaffen aufspüren kann. An Bord ist unter anderem ein Massenspektrometer zur Analyse von Bodenproben, die mit einem ferngesteuerten Greifer aufgehoben werden. Welchem Zweck die Spür-"Füchse" im Afghanistan-Konflikt dienen könnten, ist nicht ganz klar. Zwar gab es immer wieder Berichte, die Terror-Organisation Osama bin Ladens experimentiere in dem Land mit Chemiewaffen. Doch ist nach Einschätzung von Militärexperten die Bereitstellung der ABC-Abwehr eher Vorsorge für schwer vorhersehbare Eventualfälle als Ergebnis konkreter Einsatzpläne.

2. Deutschland stellt 250 Mann für einen so genannten MedEvac-Einsatz zur Verfügung, also den Transport von Verletzten aus einem Krisengebiet in Krankenhäuser in sicheres Hinterland. Zu fliegenden Krankenwagen umgerüstete Transall-Transporter C-160 waren beispielsweise zuletzt für die Uno-Friedenstruppe in Ost-Timor im Einsatz. Die Luftwaffe kann ferner zwei Airbus A 310 zu fliegenden Lazaretten umrüsten, die sonst bei der Flugbereitschaft Dienst tun.

3. Im Rahmen einer Lufttransport-Gruppe sollen 500 Mann bereitstehen. Auch dafür kommen Airbusse - für die Verlegung von Mannschaften - und die allerdings schon recht betagte Transall als Fracht- und Mannschaftstransporter in Frage.

4. Das größte deutsche Kontingent sollen bis zu 1800 Marine-Soldaten stellen, die zur Kontrolle und Sicherung von Seewegen eingesetzt werden können. Auch mit solchen Aufgaben ist die Bundeswehr bereits vertraut - jahrelang patrouillierten deutsche Marineschiffe in der Adria zur Überwachung des UN-Embargos gegen das frühere Jugoslawien. Schröder hat angedeutet, dass jetzt vorrangig an Geleitschutz für Öl- oder Chemietanker gedacht ist. Solche Großschiffe mit gefährlicher Ladung könnten Terror-Ziele darstellen.

5. Brisantester Punkt auf der Angebotsliste: Etwa 100 "Spezialkräfte". Das können Mitglieder des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw sein, aber auch "normale" Fallschirm- oder Gebirgsjäger. Zwar hat Schröder Einsätze deutscher Bodentruppen ausgeschlossen, zugleich aber "Hit-and-run"-Aktionen dieser Sonderkommandos für möglich erklärt. Über ihren Einsatz würde aus Sicherheitsgründen auch der Bundestag wohl allenfalls nachträglich unterrichtet.

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