Kultur : Deutsche Oper Berlin setzt auf Sängerstars

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Er heißt offiziell Berater – und ist doch schon der heimliche Chef. Bei der Präsentation der Spielzeit 2003/04 wird schnell deutlich, dass Wiens Staatsopernchef Ioan Holender auch an der Deutschen Oper Berlin den Kurs diktiert. Und der geht eindeutig weg vom ambitionierten Regietheater und hin zur opulenten Sängeroper. „Ohne gute Sänger gibt es keine Oper“, lautet die schlichte Grundweisheit des Impresario, der seit einem halben Jahr gemeinsam mit dem kommissarischen Leitungsteam Heinz Dieter Sense und Peter Sauerbaum daran arbeitet, die Deutsche Oper wieder flottzumachen.

Die von Holender diagnostizierte Regielastigkeit wird es jedenfalls in der kommenden Saison nicht geben: Die – noch vom scheidenden Intendanten Udo Zimmermann bestimmten – drei Eigenpremieren (Donizettis „Don Pasquale“, Puccinis „Fanciulla del West“ und Korngolds „Tote Stadt“) finden unter Ausschluss von Regiestars wie Konwitschny und Jossi Wieler statt. Der Glanz kommt durch den Chefdirigenten Christian Thielemann (der leider nur 18 Vorstellungen dirigieren wird) und vor allem durch die Sängerstars, die dank Holenders Einfluss nach Berlin kommen: Unter anderem sollen die Belcanto- Queens Edita Gruberova, Sumi Jo und Natalie Dessay für ein volles Haus sorgen. Um den Belcanto-Durst der Berliner zu stillen, leiht Holender John Dews Wiener Inszenierung von Bellinis „Puritanern“ für zwei Spielzeiten nach Berlin aus, das erfolgreiche „Jenufa“- Gastspiel wird in der nächsten Spielzeit durch eine weitere Übernahme einer Janacek-Oper aus Glyndebourne, der „Sache Makropoulos“ in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff, fortgesetzt – wiederum mit Anja Silja als Publikumsmagnet.

Die Auslastungszahlen scheinen Holenders einfache Strategie schon jetzt zu bestätigen: Nach dem Tief von 61 Prozent im Jahr 2002 ist die Deutsche Oper mittlerweile wieder bei 72 Prozent Publikumszuspruch angelangt. Tendenz steigend. jök

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