Kultur : Deutsche Orchestervereinigung: Wer, wenn nicht wir?

F. H.

Da sitzen sie nun und können nicht anders: Die Deutsche Orchestervereinigung, die Gewerkschaft der Musiker, hatte zu einer Pressekonferenz in Sachen "Berliner Bühnenstrukturreform" geladen und forderte - nein, nicht den Erhalt des Status Quo, sondern Gehaltserhöhungen für Musiker der Deutschen und der Staatsoper, die Wiedereinstellung der Musiker des Theaters des Westens und eine Rücknahme der Verkleinerungspläne für das Rundfunk-Sinfonieorchester. Theoretisch ist man verhandlungsbereit - aber der geplante Abbau von bis zu 149 Orchester-Planstellen in Berlin wird kategorisch abgelehnt. Erstmals wurde allerdings von den Vertretern der Opernorcheser nicht nur Klage über den Kultursenator, sondern auch über die Zustände an den eigenen Theatern geführt: Chaotische Planungen verhinderten die bestmögliche Nutzung der hauseigenen Arbeitskapazitäten. Hier sollten Reformen zuerst ansetzen.

Im übrigen zeigten sich die Musiker und ihre Gewerkschafter verbittert über die Art, wie sich Berliner Politiker mit der "Kulturmetropole" brüsteten, während sie gleichzeitig die Etats zusammensparten. Scharfe Kritik am Senat übte auch Staatsopern-Chef Daniel Barenboim in der "Financial Times Deutschland". Die "sehr provinzielle" Presse der Hauptstadt habe nur darum so viel Macht, weil es zu viele "mittelmäßige, unentschlossene" Politiker in Berlin gäbe. Er forderte erneut eine Übernahme der Staatsoper durch den Bund. Der Dirigent Michael Gielen kündigte an, er werde am 31. Oktober ein Protest-Konzert der Staatskapelle mit Schuberts "Unvollendeter" im Kunsthaus Tacheles leiten.

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