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Deutsche Stars : Unsere Besten

13.02.2012 08:56 Uhrvon
Corinna Harfouch spielt in „Was bleibt“ eine psychisch Kranke. Foto: Gerald von Foris, 23/5 FilmproduktionBild vergrößern
Corinna Harfouch spielt in „Was bleibt“ eine psychisch Kranke. Foto: Gerald von Foris, 23/5 Filmproduktion

Nina Hoss, Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Martina Gedeck – Das deutsche Kino hat inzwischen viele große Stars. Das liegt auch am Theatersystem.

Dieter Kosslick sitzt auf dem Podium der Berlinale-Pressekonferenz, wie jedes Jahr. Er verliest die Gästeliste der zu erwartenden Prominenten, wie immer. Und so selbstverständlich, wie der Mann Shah Rukh Khan und Robert Pattinson erhöhtes Teenie-Hysterisierungs-Potenzial bescheinigt, spricht er im gleichen Atemzug von „unseren deutschen Stars“.

Das Verrückte daran: Im voll besetzten Saal lacht keiner mehr. Nicht mal gehüstelt wird. Es klingt einfach, als ob ein Sportreporter von „unseren Jungs“ spricht. Oder „unseren Mädels“.

Sandra Hüller für „Requiem“. Nina Hoss für „Yella“. Birgit Minichmayr (die gemeinden wir als österreichische Nachbarin mal ein) für „Alle anderen“ – drei Schauspielerinnen, die allein in den vergangenen fünf Jahren den Silbernen Bären der Berlinale gewonnen haben, geehrt von internationalen Jurys. Und bei den Männern hält Moritz Bleibtreu mit seinem „Elementarteilchen“-Sieg die Fahne hoch. Das Facebook des deutschen Films kann sich sehen lassen, das zeigt sich auch in diesem Wettbewerbsjahr wieder. Nina Hoss spielt eine weitere starke Titelfrau in Christian Petzolds „Barbara“. Lars Eidinger glänzt in Hans-Christian Schmids „Was bleibt“. Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel gehen in Matthias Glasners „Gnade“ an die Grenze. Alles Schauspieler, die das Potenzial haben, im Zweifel auch eine mittelmäßige Geschichte leuchten zu lassen. Die das deutsche Kino aufregend machen.

Heike-Melba Fendel, Geschäftsführerin der Agentur Barbarella, stellt erstens fest, dass „ein Starsystem hierzulande wieder funktioniert“. Und beobachtet zweitens eine gewachsene Vielseitigkeit ihrer Branche. Wo mehr produziert werde und mehr Schauspieler gefragt seien, da existierten eben auch viel unterschiedlichere Karrieren und Typen nebeneinander als noch in der Vergangenheit. Die ganze Spannbreite zwischen glamourösen Ex-Girlies wie Heike Makatsch und grundernsten Theaterarbeiterinnen wie Sandra Hüller. Wo sich eine Martina Gedeck (im diesjährigen Panorama mit dem Drama „Die Wand“ vertreten) dem Mainstream verweigert, wandert eine Nina Hoss selbstverständlich zwischen den Welten: hier die symbiotische Arbeitsbeziehung mit ihrem Wahlverwandten Petzold, dort der Auftritt im Eichinger-Eventfilm.

Jürgen Vogel in "Gnade".Bild vergrößern
Jürgen Vogel in "Gnade". - Foto: Alamode Film/Jakub Bejnarowicz

Überhaupt sieht Fendel eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen den Genres. „Der eine macht Kino, der andere nur Fernsehschrott“ – diese snobismusbefeuerte Trennschärfe sei passé, der Weg von der Soap zur Kinohauptrolle nicht mehr ungewöhnlich. „Das haben wir von den Amerikanern gelernt“. Das Schubladendenken sei weg, selbst Werbung nicht mehr verpönt, „das hat unserer Branche enorm geholfen“. Kleine Einschränkung: Wenn ein Theaterstar wie Samuel Finzi, statt sich in Heiner Müller zu vertiefen, für eine Versicherung wirbt, die nebenbei Sexpartys schmeißt, gibt’s Geschmunzel. Aber wenn es Espresso gewesen wäre?

Klar, Hollywood-Verhältnisse haben wir zwischen Rhein und Spree noch lange nicht. Und in mancher Hinsicht ist das ja auch begrüßenswert. Fragt man Anja Dihrberg vom Bundesverband Casting, welche Frauen- und Männertypen im deutschen Kino zur Zeit eigentlich gefragt seien, betont sie das Stichwort „Charakterfach“ und formuliert einen „dezenten Horror“ vor der Gleichschaltungsmaschinerie Hollywoods inklusive Hungerwahn und Schönheitsoperation. Dihrberg hofft, dass „eine Nina Hoss nicht irgendwann aussehen muss wie Nicole Kidman“. Und beobachtet mit Freude, dass es gegenwärtig bei deutschen Schauspielern noch mehr um Qualität als um korrigierte Nasen gehe.

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