Kultur : Deutsche Weltmeister im Stadionbau

Das Architekturbüro gmp plant für Südafrika

Bernhard Schulz

Die halbe Fußball-WM ist in ihren Stadien gespielt worden, und beim Endspiel hat eine Milliarde Zuschauer weltweit zumindest ausschnittsweise das Berliner Olympiastadion wahrgenommen. Es ist in seiner heutigen Gestalt ein Produkt des Architektur-Büros von Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus Hamburg, das seit der Wiedervereinigung mit seinem Berliner Büro zahllose Projekte in der Bundeshauptstadt verwirklicht hat.

Nun ist der Ruhm von gmp bis nach Südafrika gedrungen, zum Ausrichter der nächsten Fußball-WM. Wie nunmehr offiziell bekannt wurde, hat gmp die Wettbewerbe für gleich drei Stadien – von insgesamt fünf vorgesehenen Neubauten – gewonnen, und zwar für Kapstadt, Durban und Port Elizabeth. Gerade im Stadionbau tobt ein heftiger Konkurrenzkampf, wie gmp in München erfahren mussten, wo sie nur als zweiter Sieger im Wettstreit um die neue Allianz-Arena an der Peripherie der Stadt durchs Ziel gingen. Der Auftrag ging an die Schweizer Weltstars Herzog und de Meuron, die mit ihrer innenbeleuchteten, das Stadion umhüllenden Membranhaut Furore machten.

„Heute wird das Interesse nur noch auf das Stadion, den Solitär als eine Hysterieschüssel, fokussiert“, meinte Co-Prinzipal Volkwin Marg vor Jahren einmal, als gerade die Wettbewerbe für die Neubau-Stadien in Köln und Frankfurt/Main gewonnen waren: „Ich versuche dagegenzuhalten, denn ich sehe das Stadion als Teil des Ganzen.“ So werden es gmp auch in Südafrika halten, wo das Stadion in der Hafenstadt Durban bereits mit Blick auf mögliche Olympische Spiele als Mehrzweckarena konzipiert wird und eine Promenade zum nahen Indischen Ozean führt. Oder in Port Elizabeth, wo das Stadion durch Terrassen mit einem angrenzenden See zu einer Einheit verbunden wird. Auf die Einheitlichkeit der Gesamtanlage achteten gmp gerade auch in Berlin: Hier folgt das Olympiastadion als Teil des Reichssportfeldes einem übergreifenden Konzept.

Während die Sanierung der deutschen Stadien in Berlin, Köln und Frankfurt bei laufendem Spielbetrieb erfolgte, wird in Südafrika neu gebaut. Hubert Nienhoff, verantwortlicher Partner des Büros für das Olympiastadion, ist zuversichtlich, die Bauten am Kap bereits bis 2009 fertig stellen zu können. Für Durban sind 170 Millionen Euro veranschlagt, für Port Elizabeth 56 Millionen. Kapstadt schlägt mit 150 Millionen zu Buche.

Wenn auch die Bedeutung des Architekturlandes Deutschland international nicht immer sehr hoch gehandelt wird, so sind doch zumindest gmp in die Riege der global players ihrer Zunft aufgestiegen. Bei Schanghai entsteht eine 300 000-Einwohner-Stadt nach ihren Entwürfen, in Hanoi das Parlamentsgebäude, und in den arabischen Emiraten sind gleichfalls Großprojekte in Arbeit. Die südafrikanische WM wird den längst weltweiten Ruhm von gmp mehren – und auf deren Ursprungsland zurückstrahlen.

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