Deutscher Buchpreis : Sechs Finalisten stehen fest

So ausgewogen wie nie: Jenny Erpenbeck, Monique Schwitter, Inger Maria-Mahlke, Ulrich Peltzer, Frank Witzel und Rolf Lappert stehen auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

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Die Finalisten für den Deutschen Buchpreis stehen fest.
Die Finalisten für den Deutschen Buchpreis stehen fest.Foto: Deutscher Buchpreis/Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Der Deutsche Buchpreis entwickelt sich: vom Marketing-Instrument für den Buchmarkt, als der er 2005 erfunden und erstmals ausgelobt wurde, hin zu einem der, nein, nicht wichtigsten Buchpreise im Land, sondern zu einem der seltsamsten. Denn was soll das für ein „Preis für den besten Roman des Jahres“ sein, wenn maßgebliche Autoren, so wie in diesem Jahr zum Beispiel Ralf Rothmann oder Andreas Maier, ihren Verlagen untersagen, ihre jeweils neuen Bücher für den Preis einzureichen? Wenn sowieso jedes Jahr aufs Neue festgestellt wird, dass Bücher nicht gegeneinander antreten können, sie nicht als Wettbewerbsmaterial taugen? Wenn außerliterarische Kriterien eine Rolle spielen und immer mehr schön brav drauf geachtet wird, dass kleine, unabhängige Verlage zum Zug kommen - und vor allem natürlich der Geschlechterproporz gewahrt wird?

Erpenbeck über Flüchtlinge, Peltzer über weltweite Finanzströme

Dann kommt eine Shortlist wie dieses Jahr heraus, für die zwar mutig große Namen aussortiert worden sind, so wie wie Feridun Zaimoglu mit seinem Istanbul „Siebentürmeviertel“, Ilija Trojanow mit seinem Bulgarien-Roman „Macht und Widerstand“ und Clemens Setz mit seinem tausendseitigen Stalker-Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Die aber derart ausgewogen scheint, dass es schon wieder langweilig ist, drei Frauen, drei Männer, zwei Kleinverlage, ein Autor aus der Schweiz undundund, bloß keine Angriffsflächen geben! Also gibt es zwei Romane zur Zeit, zu drängenden Themen der Zeit auf der Shortlist: Jenny Erpenbecks „Gehen, ging, gegangen“ und Ulrich Peltzers „Das bessere Leben“, hier die Flüchtlingsproblematik im Zentrum des Romangeschehens, dort Finanzströme und Globalisierung, in beiden dominiert der Stoff vor Sprache und Form.

Frank Witzel gehört in die Abteilung Erinnerungsliteratur

Dazu kommt Inger-Maria Mahlke mit einem historischen Roman, der, wie soll es anders sein?, natürlich auch viel über unsere Gegenwart erzählen soll, "Wie ihr wollt", mit Monique Schwitters „Eins im Anderen“ ein öder Meta-Liebesroman, der Außenseiterroman!, mit Rolf Lapperts „Über den Winter“ der süffig, aber stets niveauvoll erzählten Unterhaltungs- und Middle-of-the-age-Roman, „ein bewegender Roman über das, was heute Familie bedeutet“, so der Verlag, John Updike light, so wir. Und schließlich noch ein Roman aus der Abteilung Erinnerungsliteratur: ein toller Großroman immerhin, die Summe eines Erzählerlebens, ein Wurf, fürwahr, Frank Witzels „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Der müsste es werden - weil aber Aktualität oft genug Trumpf ist, läuft es vermutlich auf die Romane von Erpenbeck und Peltzer hinaus. Beide sind die nicht die besten des Jahres, aber der Deutsche Buchpreis, der am 12. Oktober in der Paulskirche wie üblich als Aufgalopp zur Frankfurter Buchmesse vergeben wird, ist halt, wie gesagt, ein Marketing-Instrument. Mal sehen, wie lange noch – tolle Bücher, die nicht auf der Long- und Shortlist stehen, gibt es zuhauf.


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