Deutscher Filmpreis : "Parfum", "Vier Minuten" oder "Die Fälscher"?

Die Fußstapfen sind groß, die Erwartungen riesig. Gleich drei Favoriten gibt es beim 57. Deutschen Filmpreis, der am Freitag in Berlin verliehen wird.

Berlin - Jeweils acht Mal sind Tom Tykwers Bestseller-Verfilmung "Das Parfum" und Chris Kraus' Gefängnisfilm "Vier Minuten" nominiert. Stefan Ruzowitzkys Berlinale-Beitrag "Die Fälscher" über Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen geht mit sieben Nominierungen an den Start. Alle drei Regiearbeiten sind auch in der Kategorie "Bester Spielfilm" nominiert.

Dass die Auszeichnung als bester nationaler Film der Anfang einer internationalen Karriere sein kann, hat der letztjährige Lola-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck bewiesen. Sein Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" holte anschließend nicht nur den Europäischen Filmpreis, sondern schließlich sogar den Oscar. Auch Fatih Akin, mit "Gegen die Wand" der große Filmpreis-Gewinner des Jahres 2004, macht inzwischen weltweit Karriere. Sein jüngster Film "Auf der anderen Seite" läuft im Wettbewerb um die Goldene Palme bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes.

Die Hoffnungen der Nominierten dürften also beträchtlich sein - nicht zuletzt, weil es bei dem mit insgesamt 2,9 Millionen Euro höchstdotierten deutschen Kulturpreis auch um hohe Gewinnprämien geht. Ganze 500.000 Euro gibt es für den Gewinner des "besten Spielfilms"; die Preissumme muss allerdings für ein neues Filmprojekt investiert werden.

Fast jedes Genre dabei

Zum dritten Mal entscheiden die inzwischen 900 Mitglieder der Deutschen Filmakademie unter Vorsitz der Schauspielerin Senta Berger über die Preisträger. Die Juryauswahl zeigt die Vielfalt und damit die gegenwärtige Stärke des deutschen Films: Von Tykwers in Hollywood-Manier designter Kinoversion von Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" bis zu dem immerhin noch fünf Mal nominierten Heimatfilm "Wer früher stirbt ist länger tot" von Marcus H. Rosenmüller ist fast jedes Genre dabei. Als beste Spielfilme sind auch die Tragikomödie "Emmas Glück" von Sven Taddicken und das Drama "Winterreise" von Hans Steinbichler im Rennen.

In 15 Kategorien wird der Filmpreis verliehen. Nicht vorbeigehen kann die Jury wohl an der 25-jährigen Hannah Herzsprung, die für ihre furiosen Rollen in "Vier Minuten" und "Das wahre Leben" (Regie Alain Gsponer) sowohl als beste Haupt- als auch beste Nebendarstellerin nominiert ist. Als beste Schauspielerin ist auch Monica Bleibtreu im Rennen, die in "Vier Minuten" die Klavierlehrerin der von Herzsprung verkörperten Gefängnisinsassin spielt. In der Endrunde ist außerdem Jördis Triebel für "Emmas Glück".

"Der freie Wille" nicht für Hauptpreis nominiert

Als beste Schauspieler sind Josef Bierbichler für "Winterreise" und Karl Markovics für "Die Fälscher" in der Auswahl. Jürgen Vogel wurde für seine Rolle eines Vergewaltigers in Matthias Glasners "Der freie Wille" nominiert. Den kontrovers diskutierten Film auch ins Rennen um den Hauptpreis zu schicken, dafür fehlte der Jury aber offenbar der Mut.

Ein Gewinner steht schon fest: Der in Los Angeles lebende Schauspieler Armin Mueller-Stahl erhält für sein Lebenswerk den Ehrenpreis. Der 76-Jährige ("Shine", "Die Manns") wird als "sensibler Menschendarsteller" für seine hervorragenden Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet, wie die Jury erklärte. Demnächst ist Mueller-Stahl in David Cronenbergs Thriller "Eastern Promises" zu sehen.

Durch die Gala im Berliner Palais am Funkturm führt bereits zum dritten Mal der Schauspieler, Komiker und Produzent Michael "Bully" Herbig. ZDF überträgt die Preisverleihung zeitversetzt ab 21:15 Uhr. (Von Elke Vogel, dpa)

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