Kultur : Deutscher Kulturrat: Jubiläum

Ruth Ciesinger

Geht es um das Urheberrecht oder die Künstlersozialversicherung, dann verspürt der Redakteur gemeinhin einen starken Fluchtreflex hin zur erbaulichen Theaterkritik. Aber Kunst gibt es eben nur, wenn der Künstler etwas verdient und nicht unter der Brücke lebt. Deshalb hat sich der Kulturrat der rechtlichen Voraussetzungen verschrieben, die für Kunst notwenig sind. Heute feiert er sein 20-jähriges Jubiläum.

Angefangen hat alles 1981. Da versuchte die Bundesregierung den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Bücher oder Bilder abzuschaffen. Künstler- und Verwerterverbände protestierten erfolgreich und gründeten im Anschluss den Deutschen Kulturrat. In Zukunft sollten hier die Belange eine Lobby finden, die sowohl die Künstler als auch die Galerien, Bibliotheken oder Verlage betreffen, die von der Künstler Arbeit leben. Aus den 15 Gründungsmitgliedern, zu denen unter anderen der Verband deutscher Schriftsteller und der Deutsche Musikrat gehörten, ist inzwischen ein Verein mit knapp 200 Organisationen geworden.

Zurzeit kämpft der Kulturrat für die Halbierung der so genannten Ausländersteuer, die fremde Künstler bei Auftritten in Deutschland zahlen müssen. Momentan sind es 25 Prozent. Zieht man Reisespesen und Honorar für Mitarbeiter ab, bleibt für die Artisten nichts mehr übrig, sagt der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann. Unterstützt wird er von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, der in Erfahrung gebracht hat, dass der Kulturaustausch mit dem Ausland seit Einführung der Steuer um ein Drittel zurückgegangen ist.

Zum größten Teil finanziert sich der Kulturrat aus Bundesgeldern, zu einem kleinen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf von Büchern zur Kulturpolitik. Trotzdem sei die Trennung zwischen Verband und Staat enorm wichtig, sagt Zimmermann. Anfang der 90er Jahre gab es die Überlegung, den Kulturrat mit der Kulturabteilung des Innenministeriums ein gemeinsames Haus beziehen zu lassen. "Das war die Geisteshaltung einer bestimmten Zeit", sagt Zimmermann. "Ich bin froh, das wir unabhängig sind."

In Zukunft will der Kulturrat auch beim Europäischen Parlament und der EU-Kommission mehr Lobby-Arbeit betreiben. Bisher gibt es nur in Bonn den so genannten "Cultural Contact Point", der deutsche Künstler über europäische Fördermittel informiert.

Außerdem sei man "wild entschlossen", kündigt Zimmermann an, "die Arbeit des Kulturrates stärker zu politisieren". Gerade jetzt seien eine weltweite Kulturpolitik und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen wichtig.

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