Deutscher Musical Theater Preis : Mit Vivaldi in 80 Tagen um die Welt

Im September wird der „Deutsche Musical Theater Preis“ verliehen. Die Nominierten kommen überwiegend von kleinen Bühnen, aus Berlin sind drei Produktionen dabei.

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Szene aus dem Musical "Vivaldi - Die fünfte Jahreszeit" an der Volksoper Wien.
Szene aus dem Musical "Vivaldi - Die fünfte Jahreszeit" an der Volksoper Wien.Foto: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Beim Stichwort Musical denken die meisten spontan wohl an Massenunterhaltung: An die Shows der kommerziellen Anbieter nämlich, die acht Mal pro Woche laufen, oft in eigens gebauten Theatern. Besonders Hamburg hat sich zur Metropole dieser Art Entertainment nach angloamerikanischem Vorbild entwickelt, dort gibt es mittlerweile fünf große Musical-Häuser. Zwar beteiligt sich der Marktführer Stage Entertainment nicht an der Statistik des Deutschen Bühnenvereins, aber wenn „Der König der Löwen“ 427 Mal pro Saison in einem 2030-Plätze-Saal gezeigt wird, lässt sich leicht ausrechnen, dass bis zu 867 000 Zuschauer das Stück sehen können.

Aber auch jenseits dieser Dauerbrenner-Gigantomanie existiert hierzulande eine Musical- Szene. Die ihre Produktionen mit kleinen Budgets und viel Enthusiasmus auf die Beine stellt. Ihnen will die „Deutsche Musical Akademie“ Mut machen. Mit dem „Deutschen Musical Theater Preis“, der am 18. September zum vierten Mal verliehen wird.

Profis zeichnen Profis aus

Die Auszeichnung ist allerdings undotiert, dass Profis hier Profis auszeichnen, muss der Ehre genug sein. In 13 Kategorien wird die fünfköpfige Jury die Besten küren – beworben haben sich allerdings nur 17 Produktionen. Denn die allermeisten Musicals, die in den Staats-, Stadt-, Off- und Privat-Theatern landauf, landab herauskommen, sind nun einmal keine Kreationen, sondern Neuinszenierungen altbekannter Stücke.

In der Spielzeit 2015/16 (neuere Zahlen liegen nicht vor) führte „My Fair Lady“ mit 20 verschiedenen Produktionen die Hitparade an, dann folgen „Kiss me, Kate“, „Anatevka“, „The Rocky Horror Show“, „Cabaret“, „Der kleine Horrorladen“ und die „West Side Story“. Von den Uraufführungen der Saison schaffte es keine unter die Liste der Top 20 mit den höchsten Zuschauerzahlen.

Martin Luther wird zweimal zum Titelhelden

Auch die Produktionen, die sich für die Nominierung zum „Deutschen Musical Theater Preis 2017“ qualifiziert haben, sind fast durchweg an kleinen Bühnen herausgekommen, mit Ausnahme von „Vivaldi, die 5. Jahreszeit“ von der Volksoper Wien und „In 80 Tagen um die Welt“ aus Linz. In Bielefeld erlebte „Das Molekül“ seine Uraufführung, bei den Brüder-Grimm-Festspielen Hanau „Der Fischer und seine Frau“, unter dem Namen „Barricades“ kam eine Neufassung von „Les Misérables“ als Tourneeproduktion heraus. Karlsruhe zeigt „Die Goldberg-Variationen“, Esslingen „Doctor Faustus’ Magical Circus“, in Füssen wurde „Der Schwanenprinz“ auf einem Schiff gespielt. Aus der Schweiz kommt das „Seegfrörni“, aus Österreich „Peter Pan“ (Bühne Baden).

Martin Luther wurde gleich doppelt zum Titelhelden, am Stadttheater Fürth sowie an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Aus Hamburg kommen zwei Shows, „Der bewegte Mann“ vom Altonaer Theater und „Cindy Reller“ vom Schmidt Theater, Berlin ist dreimal vertreten, mit „Kopfkino“ von Peter Lund (herausgekommen an der Neuköllner Oper), Klassenkampf (Heimathafen Neukölln) und „Wildes Berlin“ (BKA Theater).

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