Kultur : Deutsches Design Lexikon: Kleines Archiv für schnellen Gebrauch

Inge Ahrens

Quadratisch, praktisch, gut, der Slogan ist vor langer Zeit für Ritter Sport gemacht worden und trifft gleichsam auf ein neues Design-Lexikon zu. Die Firma Ritter bringt seit Jahren Schokolade in diese unwiderstehliche Form, macht damit Gestaltungsgeschichte, und Deutschland bürgt nicht umsonst seit über hundert Jahren für gutes Design. Im quadratischen Lexikon von DuMont hat darum Ritter Sport einen festen Platz.

Das Bauhaus wird von vielen als Quelle des modernen Design in Deutschland angesehen. Was daraus folgte, war ein starker Strom von gar nicht alltäglicher Gebrauchskultur, weit über Deutschland hinaus bekannt, manches Teil schon legendär, als Klassiker modern wie eh, ebenso geschätztes Museumsstück. Die Designwelle der letzten zwanzig Jahre ging einher mit einer Unzahl vieler kleiner Morde an deren Vätern. In den großen Städten Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln war der Schöpfungsdrang besonders heftig. Das einstmals Feine, Klare und Funktionale wurde gern ironisiert, war schließlich halb praktischer Gegenstand halb Kunstwerk.

Auf das parodierte Urdesign folgte das Pure, Asketische, Strenge, aber ohne die Basis der Designerfolge in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wäre ein ökonomischer Erfolg nicht möglich gewesen. Die Väter hatten den Boden dafür bereitet, dass deutsches Design selbstverständlicher Bestandteil der internationalen Alltagskultur wurde. Basisarbeit war also nicht mehr nötig.

Die Schönheit der nützlichen Dinge ist wie vorliegend zwischen zwei Buchdeckel geraten. Von 1871 bis zum Jahr 2000 sind gute alte Bekannte gesammelt, designstarke Firmen porträtiert. Der Interessierte erfährt Leselust auf einer Reise durch die Dekaden der Gestaltung: von der Erfindung des Industriedesigns bis zur neuen deutschen Gestaltungswelle.

Der dicke Quader ist ein handlicher Überblick mit Schwerpunkt Produkt-, Möbel- und Automobildesign, wobei Mode und Grafik nicht fehlen. Handfeste Firmenporträts einschlägig Kreativer und ein hilfreicher regionaler Adressenanhang runden das Kompendium ab, ein kleines Designarchiv für den schnellen Gebrauch.

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