Kultur : Deutsches Historisches Museum: Auf die Stärke der Ausstellung vertrauen

Bernhard Schulz

Seit vergangenen Freitag ist er im Amt, gestern lud Hans Ottomeyer zu seiner ersten Pressekonferenz als Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums (DHM). Neu-Berliner ist er also der Stellung, wenn auch nicht der Wohnung nach, die er zunächst im Gästezimmer des Zeughauses genommen hat - eine Reminiszenz an Zeiten, da Amtsvorsteher Dienstwohnungen zu beziehen pflegten.

Naturgemäß konnte der 54-jährige Nachfolger des auf den Chefposten der Berliner Kulturpolitik gewechselten Christoph Stölzl nicht viel Konkretes über eigene Vorhaben sagen, liegt doch das Programm des Hauses bis Ende 2001 bereits fest. In diesem Jahr stehen zwei weitere Fotografieausstellungen an, während im kommenden Jahr mit "Preußen 1701 - eine europäische Geschichte" (Schloss Charlottenburg) sowie "Europas Mitte um 1000" (Martin-Gropius-Bau) zwei Vorhaben von Gewicht folgen werden.

Als seine Hauptaufgabe bezeichnete Ottomeyer die Einrichtung der Dauerausstellung im dann renovierten Zeughaus, deren Eröffnung er für 2002, womöglich aber erst 2003 avisierte. Sein Anspruch an die Dauerpräsentation sei es, "deutsche Geschichte darzustellen, und zwar in jedem Punkte richtig und in sich ausgewogen." Es werde "unmöglich sein, es allen recht zu machen", aber es sei das "Ziel, es richtig zu machen".

Ob es gegenüber dem - ersten und einzigen - Vorgänger Stölzl einen stilistischen Wechsel geben werde? Es sei dies, so der bedächtig formulierende Ottomeyer, eine "Temperamentsfrage": "Was mir abgeht, ist der spielerische Umgang mit Themen. Ich will ein Thema nicht anreißen, um es dann rasch wieder zu verlassen." Im übrigen verwies Ottomeyer mehrfach auf die gemeinsame Zeit mit seinem Vorgänger Mitte der achtziger Jahre am Münchner Stadtmuseum. Insbesondere bekannte sich der neue DHM-Chef zur Publikumsorientierung des Museums; etwas, das Vorgänger Stölzl auf untadeligem Niveau zu bewerkstelligen wusste. Er werde "das alte Ziel weiterverfolgen, politische Aufklärung zu betreiben". Es gelte, das "Interesse des Publikums zu wecken und zu gewinnen". Kasseler Erfahrungen andeutend - wo er als Abschluss und Höhepunkt seiner Direktorenzeit vor Wochen erst das renovierte Schloss Wilhelmshöhe wieder eröffnen konnte -, betont Ottomeyer insbesondere das Bemühen um jüngere Besucher.

Seinen westfälischen Ursprüngen, seiner ganzen Erscheinung gemäß unterstreicht Ottomeyer mit jedem Satz die Seriosität seiner und des Museums Arbeit. Er vertraue ganz auf "die Stärke des Mediums der Ausstellung". Inszenierungen als Mittel der Geschichtsvermittlung lehnt er nicht rundweg ab, nennt sie aber, Paracelsus paraphrasierend, "ein Gift, das man ganz vorsichtig einsetzen muss, um etwas Positives daraus zu gewinnen". Freilich will der am regionalen Kunstgewerbe insbesondere des Biedermeiers erprobte und mit landesgeschichtlichen Ausstellungen in Bayern und Hessen profilierte DHM-Chef Objekte nicht einfach in Vitrinen aufreihen, sondern "in ihrem Erscheinungsbild rekonstruieren", handele es sich um eine Schusterwerkstatt oder eine Fürstentafel. Ihm liege daran, den "Wirklichkeitsbezug" von Kunstwerken und Objekten "ernstzunehmen".

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