Kultur : Deutsches Historisches Museum: Wer vieles bringt

Bernhard Schulz

Mit einem Mammutprogramm an Ausstellungen, das bis zum Jahr 2006 reicht, begegnet der neue Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin der Kritik an seinen ersten Auftritten. Hans Ottomeyer, nach außen scheinbar unberührt, bescheinigte sich mit Nachdruck, ein "eng geknüpftes, weit gespanntes Netz" präsentieren zu können, das sich um Generalthemen wie "Europa", "Migration und Integration" oder "Wahrnehmung des Fremden" spannt. Ein umfangreiches Programm ist allerdings vonnöten, steht doch im November 2002 die Eröffnung des von Amtsvorgänger Christoph Stölzl in die Wege geleiteten Erweiterungsgebäudes hinter dem angestammten Zeughaus bevor. Das "Schauhaus" nach Plänen des Grand old man I.M. Pei wird insgesamt 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf vier Ebenen bieten und mit einer Fülle eher mittelgroßer Ausstellungen bespielt werden, während ganz große Unternehmungen auch in Zukunft im Martin-Gropius-Bau Platz finden könnten.

Nicht weniger als 20 Ausstellungen stehen für den Pei-Bau bis 2006 im Kalender; neun weitere Vorhaben sind noch nicht terminiert, werden aber erwogen. Darunter ragen die Auftaktveranstaltung "Idee Europa - Entwürfe zum ewigen Frieden" (besorgt von Marie-Louise von Plessen), "Mythen der Nationen II: Chaos und nationale Identitäten nach 1945" (Monika Flacke, 2003) und "Der große Krieg. Erinnerungen an den 1. Weltkrieg 1914/2004" (Rainer Rother) hervor. Zunächst aber sind neun eher kleiner dimensionierte Ausstellungen noch für das derzeitige Ausweichquartier Kronprinzenpalais in Arbeit, das Ende März 2003 verlassen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für deren geplante "Deutsche Portraitgalerie" weitergereicht werden soll. Hinzu kommen als nächst gelegene Höhepunkte die beiden im Mai kommenden Jahres öffnenden Ausstellungen "Preußen 1701 - Eine europäische Geschichte" im Schloss Charlottenburg sowie "Europas Mitte um 1000" als 27. Europaratsausstellung im Gropius-Bau.

Vor allem aber steht die Dauerausstellung an, auf die sich - so Ottomeyer - "alle Kräfte konzentrieren". Weit umfangreicher als früher wird die Dauerpräsentation das Zeughaus nach dem Abschluss der Generalsanierung im Herbst 2003 auf beiden Etagen und insgesamt 7500 Quadratmetern Fläche füllen. Noch in diesem Monat soll ein Ausstellungsgestalter benannt werden.

Ottomeyer, seit zwei Monaten im Berliner Amt, formuliert bedächtig und präzise, aber auch ohne Akzentuierung. Gern verliert er sich in Details, die ihn als rundum kenntnisgesättigten Experten ausweisen. Der wissenschaftliche Beirat des DHM, den er im Unterschied zu Stölzl gleich mehrfach erwähnt, dürfte sich von so viel Fachwissen beeindruckt gezeigt haben. Andererseits scheinen dem Direktor alle Vorhaben gleich wichtig zu sein, nirgends wird Begeisterung spürbar; und die Vorlieben, die Ottomeyer aus seinen Kasseler und Münchner Tagen mitgebracht hat, für Biedermeier und prunkvolle Festtafeln, die versagt er sich zumindest im Programm bis 2006 vollständig. Die großen Vorhaben der kommenden Jahre bezeugen die Kontinuität der bisherigen Arbeitsschwerpunkte ihrer Kuratoren. Das DHM ist längst eine große Institution, deren Kurs auch ein neuer Kapitän nur allmählich ändern könnte. Wenn er es denn wollte.

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