Deutsches Kulturinstitut bilanziert : Goethe macht mobil

Der Chef des Goethe-Instituts zieht Zwischenbilanz - zwischen Angola und Amerika sowie aktuellen Problemen und Hoffnungen im Iran.

Christiane Peitz

Klaus-Dieter Lehmann ist gerade aus Angola zurückgekehrt, sichtlich gut gelaunt. Wegen der Eröffnung des Goethe-Instituts in Luanda – und weil die fußballverliebten Angolaner ihn mit offenen Armen empfingen. Lehmann? Mit dem Ex-Torhüter der Nation ist der Goethe-Präsident zwar nicht verwandt, vom Nimbus des Namens hat er dennoch profitiert.

Goethe macht mobil, Goethe wird mobil. Mit der „Aktion Afrika“, mit Schlingensiefs Festspielhaus-Projekt, mit der brasilianisch-deutschen Amazonas-Oper für die Münchner Biennale 2010, mit Bibliotheks-Wiedereröffnungen, Residenzprogrammen und vielem mehr. Lehmann, seit eineinhalb Jahren im Amt, folgt seiner Devise „Innovation geht von der Peripherie aus“; in Berlin erläuterte er die Strategie der Dezentralisierung. Die Münchner Zentrale unterstützt die Vernetzung der 905 Anlaufstellen in 91 Ländern und die Kommunikation innerhalb der 14 Goethe-Regionen mit je eigenen Leitungen.

Keine Scheu vor Partnerschaften: Autonomie, so Lehmann, ist der falsche Weg. Goethe setzt auf Kooperationen vor Ort, auf den Austausch der Kreativen. So soll in Istanbul bald eine Künstler-Akademie gegründet werden. Die altehrwürdige Villa Tarabya, ehemals Residenz des Deutschen Botschafters am europäischen Ufer des Bosporus, wird künftig je ein halbes Jahr sieben Künstler beherbergen. Die Szene kommt zu uns? Nein, Goethe zieht zur Szene, ins schwarze Zentrum Johannesburgs oder Downtown New York. Die dort angemietete Galerie an der Lower East Side hat sich als Erfolgsadresse erwiesen, der Mietvertrag wird verlängert.

In den Krisenregionen der Welt, in Irak oder Kabul, setzt man auf zivilgesellschaftliches Engagement: Goethe-Dependancen sind grundsätzlich nicht von Stacheldraht umgeben. Das Prinzip „Offenes Haus“ bringt es jedoch mit sich, dass Iran auf der aktuellen Goethe-Landkarte fehlt. Ein Institut in Teheran kann es erst dann wieder geben, wenn das regierungsoffizielle Verbot aufgehoben wird. Für Lehmann gibt der derzeitige Aufbruch in Iran Anlass zu leiser Hoffnung.

Zuversichtlich ist er auch, dass es nach der Wahl beim Jahresetat von knapp 300 Millionen Euro bleiben wird (davon ist ein Drittel selbst erwirtschaftet). Die Sympathie von Außenminister Steinmeier als derzeitigem Dienstherrn ist dem Institut gewiss. Dass die Sprach-Offensive mit 1300 Sprachschulen für 45 Millionen Euro als nachhaltiges Generationenprojekt verstanden wird, hält Lehmann aber für eine parteiübergreifende Selbstverständlichkeit. Halbwegs finanzkrisenfest ist Goethe auch: Kooperierende FirmenStiftungen wie Bertelsmann halten sich an ihre Zusagen. Goethe vor: So viel Optimismus ist selten zurzeit.

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