Deutsches Symphonie-Orchester : Gedenken an Ferenc Fricsay

Mit einem Festkonzert erinnern Tugan Sokhiev und das DSO an den ersten Chefdirigenten des Orchesters, Ferenc Fricsay, der 2014 100 Jahre alt geworden wäre.

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Ferenc Fricsay, 1914 - 1963
Ferenc Fricsay, 1914 - 1963Foto: DSO Archiv

An seinen ersten Chefdirigenten zu erinnern, ist für das Deutsche Symphonie-Orchester mehr als eine Pflicht. Denn die Besinnung auf Ferenc Fricsay, der das damalige Rias-Orchester 1948 zum ersten Mal dirigierte und ihm bis zu seinem frühen Tod 1963 eng verbunden blieb, berührt das Selbstverständnis dieses Ensembles – was seinen leichten, wandlungsfähigen Klang betrifft ebenso wie das weite Repertoire, das Engagement des Einzelnen wie die Deutlichkeit der Interpretation. Tugan Sokhiev, der aktuelle Chef, blickt aus der Enkelperspektive auf das Erbe und dirigiert in der Philharmonie ein Programm, das Fricsays hätte sein können: Dukas’ „Zauberlehrling“ spielten er und seine Musiker bei ihrem ersten Konzert und später als Fernsehstück samt Probe. „Seid’s so lieb“, forderte er, der selbst beinahe alle Instrumente beherrschte, freundlich, bestimmt.

Sokhiev wirkt an diesem Abend zurückgenommen, will sein Orchester nach vorn rücken, sich dem Ensemble-Ideal Fricsays verpflichtet zeigen. „Seine Wort’ und Werke / Merkt’ ich und den Brauch / Und mit Geistesstärke / Tu’ ich Wunder auch!“, heißt es in Goethes Ballade. Das geht bekanntlich schief, und auch Sokhiev schwappt der Orchesterklang vorzeitig über. Intensive Belebungsarbeit widmet er dem Orchesterpart von Mozarts Sinfonia concertante KV 297b, doch die Orchestersolisten an Oboe, Klarinette, Horn und Fagott gelangen nicht vollends ins Freie. Strawinskys „Petruschka“ ist der glasklaren Rhythmik Fricsays auf der Spur. Nach dem Konzert enthüllt Sokhiev ein Gemälde, das Dietrich Fischer-Dieskau, der seine Karriere mit Fricsay begann, in Erinnerung an den Künstlerfreund geschaffen hat. Julia Varady schenkt es dem DSO. Das Bild zeigt einen nachdenklichen Dirigenten mit beschwörend zarten Händen, erfüllt von innerem Leuchten. Jeder Abend kann ein Fest sein, war sein Credo.

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