Deutsches Symphonie-Orchester : Tugan und Iwan

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KLASSIK

Schön schrecklich: Tugan Sokhiev dirigiert Prokofjew beim DSO

Das ist also die Musik, die Tugan Sokhiev, dem neuen Chefdirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters, besonders nahe geht: Der bombastische, pathossatte Soundtrack, den Sergej Prokofjew 1943/44 für Eisensteins Leinwandepos „Iwan, der Schreckliche“ komponierte. Alles ist hier auf Überwältigung ausgelegt, das Riesenorchester mit zwei Tuben, Gong, Glocken, Riesentrommel und Peitsche überrollt den Hörer geradezu, von der differenzierten Darstellung des Terrorherrschers, die zum Verbot des zweiten Filmteils durch Stalin führte, ist in Abram Strasswitschs Oratorienfassung nichts zu spüren. Man mag diese Partitur unbedeutend finden – glanzvoller aber als am Sonnabend in der Philharmonie kann man sie kaum aufführen. Sokhiev wählt straffe Tempi, lässt die kühle, oft kühne Instrumentationskunst seines Landsmannes metallisch-scharfkantig aufblitzen. Hingebungsvoll und brillant spielt das DSO, Olga Borodina beeindruckt mit ihrer einzigartigen Stimme, die direkt aus dem Erdinnern aufzusteigen scheint. Am herrlichsten aber tönen Berliner Rundfunkchor (Einstudierung: Tobias Löbner) sowie Staats- und Domchor (Kai-Uwe Jirka): Golden erstrahlt die Größe des Reussenreiches in diesem festlichen Sound. Der Auftrag an Vladimir Kaminer, verbindende Zwischentexte zu sprechen, die das Iwan-Drama kommentieren, erweist sich als wenig zielführend. Zu diffus bleiben die Kommentare, auch aufgrund seines starken Akzents, als dass sich daraus ein Porträt des Potentaten ergäbe.

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