Kultur : Deutsches Theater: Abschied von Thomas Langhoff

Doppelgesichtiger Abschied von der Zehn-Jahres-Ära Thomas Langhoff am Deutschen Theater: Der 1999 vom damaligen Kultursenator Klaus Radunski (CDU) gekündigte Indendant wurde einerseits mit Blumen, Beifallsstürmen im überfüllten Saal und einem Feuerwerk auf dem Vorplatz an der Schumannstraße geehrt, zum andern kritisierte Langhoff selbst in deutlichen Worten den anwesenden neuen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der Langhoff zuvor als "Besessenen" und einen "Glücksgriff" für das traditionsreiche Theater gewürdigt hatte.

Wowereit sagte, der Umgang des vorherigen Senats mit Langhoff sei "würdelos" gewesen, musste sich allerdings vom scheidenden Intendanten scharf rügen lassen: "Der jetzige Regierende Bürgermeister hat Kollegen wie Götz Friedrich und mich und andere im Theaterausschuss des Parlaments vorgeführt wie Schulbuben. Heute würde ich ihn fragen, ob diese knallharte Aufsichtspflicht über die Finanzen der Stadt nicht an anderer Stelle besser angebracht gewesen wäre." Die derzeitige Kultursenatorin Adrienne Goehler, siebente Amtsinhaberin seit Langhoffs Antritt, sagte, wohl noch nie in der deutschen Theatergeschichte hätten sich Schauspieler so für ihren gekündigten Intendanten eingesetzt wie das DT-Ensemble für Langhoff.

Insgesamt aber zeigte sich Langhoff erleichtert. Er sei es froh, den "Schreibkram" und den Kampf um Geld los zu sein. "Endlich bin ich freier Künstler, in Wien, München und auch Berlin." In Berlin werde er am Maxim-Gorki-Theater inszenieren, dessen Leiter Bernd Wilms seine Nachfolge am Deutschen Theater antritt. Das Theater schließt die Ära Langhoff mit einem Etatüberschuss in Höhe von 1,4 Millionen Mark ab, teilte ein Sprecher mit - davon 200 000 Mark durch Mehreinnahmen und 1,2 Millionen Mark durch Einsparungen. Der Jahreszuschuss betrug zuletzt 38 Millionen Mark. In der letzten Spielzeit Langhoffs war das Theater zu 75 Prozent ausgelastet - im Juni stieg die Auslastung auf 93 Prozent, als einige Langhoff-Inszenierungen - darunter "Ithaka", "Der Besuch der alten Dame", "Der zerbrochene Krug" und "Der Biberpelz" - letztmals auf dem Spielplan standen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar