Deutsches Theater : Avantdebüt

Die allererste Premiere am Deutschen Theater fand eigentlich schon statt. Bei einer Frühstücksmatinee berichteten Dramaturgen und Regisseure von der Arbeit an den kommenden Inszenierungen.

Andreas Schäfer

In der nächsten Woche eröffnet das Deutsche Theater unter Ulrich Khuon mit einer Bearbeitung von Josephs Conrads Novelle „Herz der Finsternis“ und der Uraufführung von Lukas Bärfuss’ Stück „Öl“ die neue Saison. Es folgen nur wenige Tage später Premieren von Kleists „Prinz von Homburg“ und Büchners „Woyzeck“. Die allererste Premiere fand aber schon statt. Eine stille, unaufgeregte, aber vielleicht gerade deshalb programmatische Premiere.

Im ersten Stock des Hauses, im großen Saal, in dem noch im Frühjahr der schwer kranke und inzwischen verstorbene Jürgen Gosch den Preis zum Welttheatertag 2009 entgegengenommen hatte, fand am Sonntag eine Matinee statt, die es unter dem Titel „Früh-Stücke“ nun einmal im Monat geben wird. Nachdem die Gäste eine Stunde „für sich“, wie Khuon betont, frühstücken können, berichten Dramaturgen und Regisseure von der Arbeit an den kommenden Inszenierungen.

Statt für künstliche Erregung zu sorgen, sei man da, „um Dinge zu vertiefen“, so Khuon. Und um Barrieren abzubauen. Um dem erhabenen Saal das „ein bisschen Erschreckende zu nehmen“, hat die Bühnenbildnerin Katja Haß den Raum mit einem groben Holzboden versehen, dessen Muster ironisch die übertriebene Ornamentik der Decke aufnimmt. An der Wand hängen weiße Flächen aus Stoff, die mit rätselhaften grünen Linien bestickt sind, indirekt beleuchtet.

In dieser Atmosphäre dezenter Hintergründigkeit erzählt zum Beispiel Andreas Kriegenburg, der sowohl bei Kleist als auch bei „Herz der Finsternis“ Regie führt, dass ihn als junger Mensch besonders der Aspekt des Scheiterns an Kleist fasziniert habe – „zur Legitimierung eigenen Unvermögens natürlich“. Man erfährt, dass das Bühnenbild zur Conrad-Bearbeitung „sehr feucht“ sein wird und der Text selbst, wie Dramaturg John von Düffel betont, fast ohne Dialog auskommt. Autor Lukas Bärfuss erzählt von einer Reise nach Kasachstan, die ihn zu „Öl“ inspiriert hat, das ein mitteleuropäisches Paar in die existenzielle Weite eines fernen Landes schickt. Nina Hoss und der neu ans DT verpflichtete Felix Goeser geben eine kleine Leseprobe: „Weißt Du, warum ich nicht schwanger werde, warum Du kein Öl findest?“ Der Nina-Hoss-Mundwinkel hebt sich verächtlich. „Weil Du nur rumstocherst.“ Ulrich Khuon steht auf und bittet um finanzielle Unterstützung für das „Junge DT“: „Damit auch Klassen und Schüler, die es sich eigentlich nicht leisten können, Klassenzimmerstücke an ihre Schule einladen können.“ Dann ist – ganz unspektakulär – Schluss. Man kommt eben aus Hamburg. Der Hauptstadt des Understatements.

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