Kultur : Deutsches Theater Berlin: Der Stier im Startloch

Christoph Funke

Ein Theater der Schauspieler ist Berlins Deutsches Theater (DT) immer gewesen und wird es bleiben, versicherte der neue Intendant Bernd Wilms auf einer Pressekonferenz. "Theater definiert sich durch Menschen, die Theater machen". Die ersten vier Premieren - "Bluthochzeit" (Garcia Lorca, 20. 9.), "Antigone" (Sophokles, 21. 9.), "Emilia Galotti" (Lessing, 27. 9.), "Der Leutnant von Inishmore" (McDonagh, 28. 9.) - sind ausverkauft. Für diesen konzentrierten Neubeginn hat sich das DT eine "frische Optik" zugelegt, mit blockhaften Plakaten, auf denen stets das Ensemble abgebildet ist. Wer mitspielt im jeweiligen Stück, wird durch farbige Unterlegung hervorgehoben. Es geht um Wirkung, und so ist das gewohnte DT-Signet von John Heartfield gegenüber den neuen großen Buchstaben D und T an den Rand und auf die Rückseiten der Drucksachen abgedrängt worden. Dennoch legt Wilms Wert auf die Tradition des Hauses. Die Mischung des Ensembles aus alten und neuen Mitgliedern bewährt sich schon bei den Proben, wie die Regisseure Konstanze Lauterbach, Peter Wittenberg, Michael Thalheimer und Jan Jochymski versicherten.

Die Tradition der Matineen wird fortgesetzt (am 30. 9. mit einer Erinnerung an Adolf Dresen). Zum ersten Mal erscheint ein (kostenloses) "Magazin", in der Nummer 1 sprechen miteinander Wilms und Ex-Intendant Dieter Mann, der in Wittenbergs "Antigone"-Inszenierung den Kreon spielt. Behutsam umgestaltet präsentieren sich die Kammerspiele, mit neuem Zugang für die Zuschauer, einer vom Rang bis zur Vorbühne durchgehenden, auch teilbaren Tribüne, einem "theatergemäßeren" Eindruck durch Stoffbespannung der Treppenaufgänge und die wieder freigelegte Decke des Zuschauerraums. Schüler, Studenten, Arbeitslose erhalten Karten zum Einheitspreis (16 Mark), die DT-Card für Stammbesucher kostet 40 Mark und berechtigt zu einer Preisermäßigung für bis zu zehn Eintrittskarten. "Wie ein Stier hebt die Hochzeit an" heißt es auf der Postkarte, die für die Lorca-Premiere am 20. 9. wirbt - und für eine hoffentlich kraftvolle Spielzeit.

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