Kultur : DEUTSCHLAND

Christina Tilmann

Deutschland, einig Vaterland, lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden, oder dem Wohnwagen. Der Niederländer Erik van Lieshout fuhr im Herbst 2005 mit dem Fahrrad quer durch Deutschland, schrieb fleißig Postkarten an die Biennale-Kuratoren und nahm seine Gespräche mit den Ureinwohnern auf Videos auf, die nun in einem Container auf der Auguststraße gezeigt werden. Ein Gruselkabinett, voller Spießer und Neonazis, und am Ende ist auch noch das Handy kaputt. Zehn Jahre zuvor war Michael Schmidt mit dem Wohnwagen unterwegs, auf den Spuren der deutschen Einheit. Seine Fotoserie EIN-HEIT, ein Monumentalwerk aus 163 Bildern, ist ein Essay über sechs Jahrzehnte deutsche Geschichte, von Adenauer bis zur jungen Merkel. Präsentiert in schier endloser Reihung im Hauptsaal der Kunst-Werke, erinnert die Arbeit subtil an Hans-Peter Feldmanns RAF-Fotoprojekt „Die Toten“, das einst am gleichen Ort zu sehen war. Auch die fiktiven Biografiespiele des Niederländers Marcel van Eeden sind nicht weit weg: Jeden Tag malt er ein kleinformatiges Bild aus dem Leben des K. M. Wiegand, Künstler, Bankräuber, Terrorist und Spion. Eine Mischung aus Spießigkeit und Weltgeschichte, das ist Deutschland. Ein bisschen gefährlich, ein bisschen lächerlich und ziemlich aufregend. Vor allem in den Augen ausländischen Künstler.

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