Kultur : Deutschstunde

Bayreuth: erster Eindruck von Herheims „Parsifal“

Lange, sehr lange nicht mehr einen so dichten, psychologisch klugen, berührenden und mitreißenden „Parsifal“ erlebt auf dem Grünen Hügel und im Rest der Welt. Eros und Thanatos, Geburt und Tod, Naturalismus und Alptraummärchen: Regisseur Stefan Herheim schafft es zur Eröffnung der 97. Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele, die Fabel des reinen Toren so zu erzählen und mit der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Wagnerschen Spätlings zu verquicken, dass über weite Strecken beides funktioniert. Dank grandioser Bilder (Heike Scheele) und einer ausgefeilten Bühnentechnik , dank eines faszinierend virtuosen Regiehandwerks. Herheims Geheimnis? Er setzt da an, wo Christoph Schlingensief zuletzt die Bühne vollgerümpelt hat, mit Mythen, Müll und Rätselfragen – und er ordnet und sortiert wieder ganz neu. Und er nimmt Wieland Wagner ernst, dessen „Parsifal“-Inszenierung 1951 in der Tat einen radikalen Neubeginn markierte. Wieland, der stets dafür stritt, dass dieses Werk kein christliches Mysterienspiel sei, sondern genuines Theater.

Da macht es vergleichsweise wenig, dass der italienische Dirigent Daniele Gatti mit sehr gemessenen Tempi im Graben letztlich enttäuscht. Schöne Klangoberflächenpolituren, bisweilen seidenweiche Piani und leuchtende Übergänge, aber zweifellos zu wenig Beteiligung und innere Dramatik. Die Sänger (darunter Detlef Roth, Diogenes Randes, Christopher Ventris, Mihoko Fujimura) kämpfen mit dieser Langsamkeit und schlagen sich redlich, leider nicht mehr. Wenige Buhs nach dem ersten Akt, ein paar mehr nach dem zweiten, als Hakenkreuzfahnen die Villa Wahnfried umlodern. (Ausführlicher Bericht folgt) Le.

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