Kultur : "Deza-Femijet": Ohne Kommentar

Caroline Fetscher

Kindern sieht man beides an: was die Erwachsenen verdrängen und was sie verbrochen haben. In Südjugoslawien suchte der ungarische Regisseur Ferenc Moldovani Kinder, die den Kosovo-Konflikt miterleben, ob als Serben oder Albaner. Sie geben dem Film seinen schlichten Titel, "Deza-Femijet", der in beiden Sprachen "Kinder" bedeutet. Es ist ein besonderer Dokumentarfilm, dessen Stärke im Verzichten besteht: auf Farbe, auf Kommentare aus dem Off, auf gängige Schnitte und Sequenzen. Nur nicht auf eine melancholische Musik zwischen Erzählpassagen, etwa so, als wollte er die Gefühle besser einbetten, die der Film, eine ergreifende Mischung aus Empathie und Diskretion, im Zuschauer weckt.

In einer traumatischen Landschaft, wo sich das schöne Karussell zwischen Kriegstrümmern und Müll dreht, will Moldanyi den Kindern, als Zeugen ohne ein Gericht, so viel Raum wie möglich geben - sie sind wirklich Zeugen, keine Ankläger. Besarta, Jelena, Violeta, Edmond, Valdrim, Miljana erzählen von Grausamkeiten, Gewalt und erzwungenen Abschieden von Vätern. Sie erzählen ausführlich, oft erschreckend nüchtern, manchmal in sich zusammen fallend, nie, um zu beeindrucken. Eher, als sei es lebensnotwendig, zu erzählen.

Mit einem Foto ihres Vaters in der Hand erzählt ein etwa achtjährige serbische Mädchen, dass Albaner ihn ermordeten. Als sie vorlesen will, was der Vater auf die Rückseite des Fotos schrieb, kann sie nicht weitersprechen. Aber der Film verharrt bei ihr. Eine Kamera, die nicht wegdreht, wenn ein Kind in verzweifelte Tränen ausbricht, hält unerträgliche Bilder fest. Schließlich umarmt ein Erwachsener das Mädchen. Gefasster beginnt sie noch einmal mit Lesen. Und stolz darauf, dass sie es diesmal schafft, schwört sie am Ende mit erbitterter Miene Rache.

Eine elf- oder zwölfjährige albanische Radiomoderatorin ermuntert Zuhörer des Kindersenders Mitrovica, zwischen Musik und Nachrichten, zu erzählen, wie sie den Krieg erlebt haben. Mit enormer Ernsthaftigkeit und dem sichtbaren Wunsch, ganz als Profi da zu stehen, befragt sie gleichaltrige Albaner, etwa ob sie serbische Freunde haben. Es beweist die Kraft dieses Dokumentarfilms, dass man keins der Gesichter vergisst.

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