Kultur : Diagnose statt Dialog: Was sich Kultur und Wirtschaft zu sagen haben

Christina Tilmann

Die Not ist groß: Gerade hat der deutsche Kulturrat die Länder dazu aufgefordert, die „Talfahrt ihrer Kulturetats“ zu stoppen. Nach einer vom Arbeitskreis Kulturstatistik vorgestellten Statistik haben die Länder ihre Kulturetats von 2001 auf 2002 um fast fünf Prozent gesenkt. Nicht nur finanzschwache Länder, sondern auch Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben ihre Kulturausgaben in diesem Jahr reduzieren müssen. Und selbst der Bundeskulturetat wird 2003 um 36 Millionen Euro gekürzt.

In solchen Zeiten ist der Ruf nach alternativen Finanzierungsmodellen besonders laut. In einer Diskussion im Berliner Haus der Wirtschaft trafen Berlins Kultursenator Thomas Flierl und Thomas Hertz, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, zusammen, um über „innovative Partnerschaften zwischen Kultur und Wirtschaft“ zu verhandeln. Allein: Der Graben zwischen Kultur und Wirtschaft erwies sich als breit. Die Gegensätze waren nicht nur die eines „in Wolle gefärbten Liberalen“ gegenüber einem „demokratischen Sozialisten“, wie Flierl es nannte. Hier stand der unter Sparzwängen leidende Kulturpolitiker, der am liebsten einen öffentlich verwalteten Pool hätte, in den die Wirtschaft einzahlen soll. Dort der kulturell interessierte Wirtschaftsfachmann, der auf Zuneigung und Begeisterung setzt und von staatlicher Seite eine „bewusste Anerkennungskultur“ gegenüber dem privaten Engagement vermisst.

Dass solche Standpunkte nicht in ein gemeinsames Konzept zu bringen sind, merkten nicht nur die Zuschauer. Da half es wenig, dass Flierl polemisierte, die großen Wirtschaftsunternehmen zahlten doch ohnehin keine Steuern mehr und brächten das System zum Wanken. Oder, dass Hertz darauf hinwies, dass die von der Politik verteilten Millionen keineswegs verdient, sondern von Bürgern und Unternehmen als Steuern gezahlt worden seien. Partner sprechen so nicht miteinander.

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