Kultur : Dicke Damen

Zeig mir deine Orangenhaut: „Echte Frauen haben Kurven“

Susanna Nieder

Weicht das Schönheitsideal der superjungen, superdünnen Models doch langsam auf? Nach der aktuellen Seifenwerbung mit rundlichen Frauen und dem Film „Kalender Girls“ mit älteren Damen in Pin-up-Posen legt sich jetzt ein weiterer Film für Schönheit jenseits der Normen ins Zeug. In einer bemerkenswerten Szene gegen Schluss von „Echte Frauen haben Kurven“ reißt sich eine Gruppe dicker Damen die Kleider vom Leib, um sich gegenseitig ihre Orangenhaut zu zeigen. Danach können die Zuschauerinnen beruhigt nach Hause gehen, denn üppiger als die umfangreichste der Darstellerinnen dürften wenige sein.

Womit dieser herzensgute Film allerdings sein Pulver verschossen hat. Basierend auf dem gleichnamigen, autobiografischen Theaterstück von Josefina Lopez, erzählt Regisseurin Patricia Cardoso die Geschichte der 18-jährigen Ana (sehenswert: America Ferrera), die sich in ihrer liebevollen, arbeitsamen, engstirnigen mexikanischen Einwandererfamilie fehl am Platz fühlt. Vor allem ihre Mutter (Lupe Ontiveros) will, dass sie arbeitet, Kinder kriegt, kurz: so lebt wie ihre Altvorderen. Nach dem Schulabschluss muss Ana lernen, die harte Arbeit ihrer Mutter und ihrer Schwester zu schätzen – und wird trotzdem ihren eigenen Weg gehen.

Der Stoff taugt was, aber der Geschichte fehlt der Biss. Sie mäandert zwischen Krach mit Mutter, heimlicher erster Liebe, Arbeit im Sweatshop und Träumen vom College, ohne dass es spannend wird. Da gibt es nichts mitzufiebern, alles läuft vorhersehbar seinem guten Ende zu. Das ist schade, weil dabei das Thema des Erwachsenwerdens unter schwierigen Bedingungen bloß noch nett und belanglos wirkt.

Blow Up, Cinemaxx Potsd. Platz, Filmkunst 66, Moviemento, Hackesche Höfe (OmU)

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