Kultur : Die 14-jährige Maggie erlebt einen Sommer, in dem alles anders wird

Beate Simon

Aus diesem Sommer sollte etwas Großes werden, alles in Meggie fieberte auf neue Ereignisse. Dagmar Chidolue erzählt aus dem Leben von Meggie, die - gerade 14 Jahre alt - in komplizierten Familienverhältnissen lebt. Ihr Vater ist außer Sichtweite, Mutter lebt aus beruflichen Gründen in Tanger. Meggie wird von der Restfamilie erzogen. Da ist Quillinger, ihr Stiefvater, der sie im Jaguar abholt und immer laut und heftig auftreten muss und Oma Quillinger, eine gute Seele, die aber nicht die rechte Art hat, mit Mädchen in diesem Alter umzugehen. Eines aber weiß die Oma: Der fehlt die Mutter.

Der erwachende Körper mit seinen neuen Rundungen verändert Meggies Leben, sie spürt, dass Aufmerksamkeit jetzt auf andere Weise entsteht. "Die Männer sind so", gibt Oma Quillinger als Erklärung. Meggie reizt es, mit ihren neuen Vorzügen zu spielen. Da ist Frank, Quillingers Sohn, der sie "Lady" nennt und mit dem sie erste Liebesversuche unternimmt. Es geschehen in dem Sommer viele Dinge, das echte Glücksgefühl stellt sich nicht ein. Da ist die große Sehnsucht nach der Mama, die Abscheu vor dem Stiefvater, der Grenzen nicht einhalten kann.

Heranwachsen ist eine einsame Zeit. Die Erwachsenen sind mit ihrem eigenen Chaos überfordert. Zwar ist genug Geld da, genug Platz, alles ist großzügig, weiträumig in der Unternehmerfamilie, und Meggie ist "mein Engel" und "mein Liebling", aber dafür kann sie sich nichts kaufen. Die Freundinnen sind in der Entwicklung noch nicht so weit, auch dort kann Meggie kaum Erfahrungen teilen. Als die Mama endlich kommt, bringt sie eine riesige Enttäuschung mit und Meggie versteht schnell, dass sie auf sich selbst gestellt ist. Realistisch nimmt sie ihr Leben in die Hand, zieht sich mit dem Schopf aus dem Sumpf, den ihre Angehörigen angerichtet haben. Dagmar Chidolue erzählt aus einer Perspektive, die für immer mehr Jugendliche Realität wird. Sie müssen sich von Erwachsenen angerichteten Gegebenheiten anpassen, ohne sich zu verlieren - und einen eigenen Weg suchen. Das verlangt Einiges; wenn der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleibt, umso besser.Dagmar Chidolue: Engelchen. Roman. Beltz Gelberg, Weinheim 1999. 215 Seiten. 24,80 DM. Ab 12 Jahre.

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