Kultur : Die Adolf-Passion

Eichinger und Syberberg reden in Berlin über ihre Hitler-Filme

Jan Schulz-Ojala

Verschiedener, so meint man, könnten die beiden gar nicht sein. Der eine, der Eichinger Bernd, beckenbauert mal flapsig, mal ein bisschen polternd rum, und spätestens wenn er „Schaun’s amal her“ sagt, dann mag man ihm gleich gar nix mehr übel nehmen. Der erfolgreiche Produzent ist der ewige Sonnyboy des teils gehobenen deutschen Unterhaltungsfilms, und dass er alles langweilig findet, was nicht pure Unterhaltung ist – jo mei, wenn’s sich rechnet? Keine Frage, der Mann, der sich da im schwarzen Anzug und weißen Sneakers im Sessel fläzt, ist einfach cool, da darf er auch schon mal nicht ganz so kluge Sachen sagen.

Der andere, Hans-Jürgen Syberberg, ist einer, der erlesen formuliert, der Zeit und Raum braucht für Gedanken wie Filme. Mit Unterhaltung hatte er, um es Eichingersch zu sagen, wohl nie was am Hut, weder als Film- noch als Theaterregisseur, und seine neuesten Werke stellt er lieber gleich ins Netz. Er hat viel gepoltert in seinem Leben, jetzt kann er es sich leisten, ein bisschen weise zu sein. Und vor allem: milde.

Was also haben Syberberg, Jahrgang 1935, und der 14 Jahre jüngere Eichinger gemeinsam? Eine Passion namens Hitler. Syberberg hat 1977 „Hitler – ein Film aus Deutschland“ gedreht, meditativ, elegisch, finsterdeutschmythisch – mit Hitler-Marionetten und einem real-fleischlichen Heinz Schubert, der als verkalktes Hitler-Kasperle dauerdeklamierend dem Wagner-Grab entstieg. Eichinger bringt Mitte September seine Herzensangelegenheit „Der Untergang“ ins Kino, eine Nachstellung der letzten zwölf Tage im Führerbunker, mit Bruno Ganz in der Hauptrolle.

Am Dienstag beim „Pariser Platz der Kulturen“ der Dresdner Bank wurde schon mal ein Trailer gezeigt – so mochte das Publikum immerhin verstehen, worüber das Podium sich da verständigte. Erster Befund: solider deutscher Unterhaltungsfilm. Aber mit einem Hitler, der einem Leid tun darf. Nur: Darf man so was? Den Hitler so zeigen, als sei auch er am Ende nur ein Opfer gewesen, Opfer der Verhältnisse, die er geschaffen hatte?

Daran dürften sich demnächst deutsche Debatten entzünden. Gerade von einem Syberberg, der es einst tunlichst vermied, Hitlers Ende zu inszenieren, denn dann wird „auch die schlimmste Ratte in ihrem Loch kreatürlich anrührend“, war Widerspruch zu erwarten. Doch ach, eitel Gleichklang. Ja, mehr: der Segen. Hans-Jürgen Syberberg nickt ein Projekt ab, dass seinem Verdikt gegen eine realistische Darstellung Hitlers diametral entgegengesetzt ist. „Es geht“, sagt er freundlich und schränkt immerhin ein, „trotz des emphatischen Mitgefühls mit der Figur, die da verreckt.“

Trotz – oder wegen? Bernd Eichinger, Drehbuchautor und Produzent des Films, den Oliver Hirschbiegel inszeniert hat, besetzt sogleich den vorsichtig harmonisch gestimmten Raum, indem er Hitlers, nunja, menschliche Qualitäten hervorhebt. Er sei ein „freundlicher, höflicher Mann“ gewesen, zitiert er Zeitzeugen, und auch für die Befehlsstrukturen unter Hitler hat Eichinger nicht grundsätzlich böse Worte: „Das war nicht nur Gehirnwäsche.“ Sympathien für den Diktator will er zwar nicht wecken mit seinem Film, der ihm seit 20 Jahren im Kopf herumspukt und für den er „200 bis 250 Bücher gelesen“ hat, aber „Momente der Identifikation“ dürfen’s schon sein. Ein bisschen schimmert da durch, was Eichinger nach all den Kassenhits antreibt: Er will „etwas wagen“.

Nur Widerspruch duldet der erfolgreichste Feldherr des deutschen Kinos dabei ungern. Als die Moderatorin Claudia Lenssen seinen Film als Melodram herunterzudefinieren sucht, fällt er ihr, ganz ohne „Schaun’s amal her“, nicht zum ersten Mal ins Wort. „Nein, ein Katastrophenfilm“, und der Wortwitz wirkt angesichts eines möglichen Genre-Kalküls gleich weniger komisch. Und als sie ihre Zweifel an den „unglaubwürdigen“ Frauenfiguren anmeldet, allen voran Eva Braun, kontert er eckig: „Andere finden Juliane Köhler in der Rolle gerade gut.“ Nein, Eva Braun sei in diesen letzten Tagen unter Tage, meint er, ganz mit sich „im Reinen“ gewesen.

Auch Bernd Eichinger scheint irgendwie mit sich im Reinen, nach der Bewältigung dieser „Geschichte des Jahrhunderts“ auf die Eichinger’sche Weise. Und mag sich nach den schillernd-emphatischen Worten Syberbergs – „Das kann man nicht nur lesen, das muss man sehen und sich dann schaudernd abwenden“ – erst recht zurücklehnen. Nur seine Angriffslust, die passt nicht recht dazu.

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