Kultur : Die afghanischen Taliban: Totale Kontrolle ist ihr Ziel - Wer die Taliban sind

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Geschichte: Die Taliban-Bewegung wurde 1994 von pakistanischen und afghanischen Koranschülern (Talib bedeutet wörtlich übersetzt Student) paschtunischer Nationalität gegründet. Ihr ideologisches Fundament ist eine militante, fundamentalistische Richtung des sunnitischen Islams, die im 18. Jahrhundert der arabische Koran-Exeget Al Wachab begründete. Der Wachabbismus ist seit der Machtübernahme des Hauses Saud in den 1930er Jahren auf der arabischen Halbinsel Staatsreligion. Markenzeichen sind brutalste Unterdrückung der Frauen, die nicht einmal Anspruch auf elementarste Bildung und medizinische Versorgung haben, und ein totales Verbot aller Darstellungen von Lebewesen, weil Allah das alleinige Schöpfungsrecht zukommt.

Hintergrund:
Stichwort: Die Buddha-Statuen von Bamiyan Die Taliban begannen ihren Siegeszug 1994 mit Hilfe Pakistans

Ziele: Nahziel der Taliban ist ein Gottesstaat in Zentralasien. Hinter der religiösen Verbrämung stecken jedoch handfeste politische und wirtschaftliche Interessen. Den Taliban geht es in erster Linie darum, den Eliten ihres Stammes - den Durrani, die Afghanistan seit dem 17. Jahrhundert regierten - wieder zur Macht zu verhelfen.

Medienverbot: Im Afghanistan der Taliban gibt es weder Zeitungen noch Fernsehen. Bücher und Musik nicht religiösen Inhalts sind ebenfalls verboten. Die Wachabbiten streben ein islamisches Weltreich an, in dem die Nationen in der Umma - der globalen Gemeinschaft der Gläubigen - aufgehen und nach den Gesetzen leben, wie sie der Prophet Mohammed um 630 direkt von Allah empfangen haben will.

Verbündete: Auf Seiten der Taliban, die rund 90 Prozent des afghanischen Territoriums kontrollieren, kämpfen rund 67 000 Mann. Neben Afghanen und Pakistanis auch gut anderthalbtausend Islamisten aus den Staaten der ehemaligen Union - vor allem Tadschiken, Usbeken, Tschetschenen und Dagestaner. Dazu kommen die etwa 500 Araber des internationalen Terroristen Osama bin Laden. Seine Bedeutung wird im Westen maßlos überschätzt.

Kriegsetat: Nach Schätzungen ihrer Gegner - der Nordallianz - beläuft sich der jährliche Kriegsetat der Taliban auf rund 100 Millionen US-Dollar jährlich. 90 bis 95 Prozent davon entfallen auf Einkünfte aus Opiumanbau, Drogen- und Waffenschmuggel sowie den illegalen Transithandel mit hochwertigen Konsumgütern. Zuwendungen aus dem Ausland - Pakistan und Saudi-Arabien - liegen inzwischen unter fünf Prozent.

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