Kultur : Die Arnostadt als unverfremdetes Kunstwerk

Stefan Eggert

Es gibt Bildbände, die das Reisen als ästhetische Erfahrung fast ersetzen. Die Fotografien von Paolo Marton in dem Band über Florenz sind von einer klassischen Idealität geprägt, die kühl wirkten, wenn die Bildmotive nicht für sich sprächen und lebten. Der Fotograf stellt sich ganz in den Dienst des Kunstwerkes, so dass keinerlei Verfremdungen oder Spielereien vom Kunstgenuss ablenken, allenfalls treten Details bedeutsam hervor. Hier wird Florenz zum Kunstwerk und zu nichts anderem, denn das alltägliche Bild von der gegenwärtigen Stadt ist in diesen Aufnahmen konsequent ausgeblendet. Bilder vom Menschen findet der Betrachter der farbigen Bildtafeln allein in den Kunstwerken der Renaissance, in den Malereien von Leonardo da Vinci, Domenico Ghirlandaio, Raffael, Botticelli, Giotto, Masaccio und Fra Angelico und in den Skulpturen, Brunnen und architektonischen Wunderwerken von Michelangelo, Brunelleschi, Donatello, Pisano, Cellini und anderen.

Man glaubt zwar beim flüchtigen Betrachten, alles schon zu oft gesehen zu haben und wird doch wieder überrascht, betört, verzaubert. Es ist, als ob man alte Bekannte im neuen Glanz erlebt und sich wieder verliebt. Verliebt in ein Ideal, in die perfekte Schönheit, die vergeht, wenn man sie fassen will. Gut, dass der einführende Text von Mario Scalini und die Bildlegenden einem da Halt und Orientierung geben. Gut, dass man wenigstens solche Bildbände behalten kann.Mario Scalini, Paolo Marton: Florenz, Kunst einer Stadt in Bildern. Hirmer Verlag, München 1999, 144 Seiten, 49,80 Mark.

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