Kultur : Die Ausgeträumten

Ein melancholischer Blick auf das Filmbusiness: Sönke Wortmanns „Himmel von Hollywood“

Christina Tilmann

Roland Emmerich hat die Buchstaben mit Wonne zerfetzt, durch einen klimakatastrophalen Wirbelsturm, in „The Day After Tomorrow“. Andere gehen respektvoller mit dem Hollywood-Schriftzug um. In Sönke Wortmanns USA-Debüt ist das Wahrzeichen Ausflugsort für drei abgetakelte Film-Matadore. Dass die Riesenlettern aus der Nähe eine rostige Eisenkonstruktion sind, dass sich dort eine hässlich zugerichtete Leiche findet – das ist die erste Enttäuschung dieses Werks, das eine Hommage an die Filmstadt sein will, an jene Mischung aus Größenwahn, Ruhm und Verzweiflung, die so viele Filmkarrieren ausgezeichnet hat. Doch genau in dieser Mischung aus Anspruch und Mittelmaß bleibt der Film stecken.

So ganz oben allerdings waren sie nie angekommen, die drei Protagonisten aus „Der Himmel von Hollywood“: Sie haben bei jedem Take versagt, ihr Herz an Drehbücher gehängt, die sich nie verwirklichen ließen. Sind ins Gefängnis gegangen. Und arbeiten heute als Installateur von Alarmanlagen, hängen in traurigen Hotels ab, suchen Zuflucht im Suff. Der Traum vom Erfolg: längst ausgeträumt. Und die letzte Chance, die zwei Koffer voll Geld noch bieten sollen, ist so verzweifelt, dass sie eigentlich gar keine ist.

Burt Reynolds, Rod Steiger und Tom Berenger spielen diese Antihelden. Drei traurige alte Männer und ein kleiner Traum vom Glück: Die Sympathie für seine Protagonisten ist dem Film anzumerken. Auch die Angst, wie sie zu scheitern. Und der angestrengte Versuch, über diese Angst hinwegzulachen. Vom skurrilen Humor, der Leon de Winters Romanvorlage auszeichnet, ist jedoch kaum mehr etwas zu erahnen. Das wäre ein Stoff für Jan Schütte gewesen, der mit „Auf Wiedersehen, Amerika“ ähnliche Käuze nach Osteuropa geschickt hatte und mit „Super-Tex“ ebenfalls einen de-Winter-Roman verfilmt hat. Sönke Wortmann fehlt dafür der schwarze Humor – und die Lust an Extremen. Er setzt auf Albernheit.

Dass der 2001 gedrehte Hollywood-Exkurs jetzt, drei Jahre später, dennoch in die deutschen Kinos kommt, ist wohl seinem erfolgreichen Nachfolger zu verdanken. Seit „Das Wunder von Bern“ im vergangenen Jahr über 3,6 Millionen Deutsche begeisterte, hofft man bei Senator auf Wiederholungstäter. Allein: „Der Himmel von Hollywood“ ist nicht „Der Himmel über Berlin“. Und wenn für Deutsche heute in den USA etwas geht, dann „Troja“, „The Day After Tomorrow“, „Independence Day“ oder „The Perfect Storm“. Der nostalgische Traum von der Traumfabrik ist für Newcomer ausgeträumt.

In Berlin im Cinemaxx Potsdamer Platz und im Cubix Alexanderplatz

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