• Die Autorin verbindet in bester schwedischer Krimitradition Spannung mit Gesellschaftskritik

Kultur : Die Autorin verbindet in bester schwedischer Krimitradition Spannung mit Gesellschaftskritik

Josefine Janert

Christina Furhage ist tot. Im Rohbau eines Sportstadions ist die Chefin des Schwedischen Olympiakomitees einem Sprengstoffattentat zum Opfer gefallen. Die Polizei findet 127 Einzelteile ihrer Leiche. Die Stockholmer Journalisten glauben, dass der Terror ursprünglich nicht Furhage galt, sondern die Olympischen Spiele treffen sollte. Nur die Kriminalreporterin Annika Bengtzon zieht ein persönliches Motiv in Betracht.

Der Debütroman der 1962 geborenen Autorin Liza Marklund beginnt furios. In rasendem Tempo werden auch auf den folgenden Seiten Handlungsstränge entworfen. Mittelpunkt der Geschichte ist die stressgeplagte Journalistin Bengtzon, Mutter zweier Kinder und frisch beförderte Leiterin des Kriminalressorts der "Abendpresse". Während sich die Kollegen von den Konkurrenzzeitungen auf das Bild des Olympiaterroristen einschießen, der nach dem selben Muster weitere Gebäude zerstört und dabei Menschenleben fordert, schaut sie als Einzige hinter die Fassade der vermeintlichen Idealfrau Furhage. Wie sich herausstellt, ist die Olympiachefin eine gnadenlose Karrieristin, die ihre Mitarbeiter zum Schaudern bringt.

Das Buch ist nach dem schwedischen Erfolgsrezept zusammen gemixt, nach dem schon die Autoren Maj Sjöwall und Per Wahlöö Krimispannung mit handfester Gesellschaftskritik verbanden. Anhand der Hauptfigur Bengtzon rollt Liza Marklund verschiedene Konflikte auf, die Korruption, die Verantwortung der Presse und Frauen in Führungspositionen betreffen. Während ihrer Recherchen wird Annika Bengtzon von neidischen Kollegen angegriffen und als unfähig hingestellt. Parallel zu ihren Nachforschungen über die "Idealfrau" Furhage verwandelt sich die Journalistin notgedrungen selbst in eine knallharte Chefin, die sich im redaktionellen Kleinkrieg behaupten muss und dabei ständig von Schuldgefühlen gegenüber ihren Kindern geplagt wird. Feinfühlig und stilsicher beschreibt Marklund, welche Attacken Christina Furhage in die eiserne Lady verwandelt haben, die am Ende alle hassen. Es sind ähnliche Probleme, die auch die Reporterin fast verzweifeln lassen.

Im Unterschied zu anderen weiblichen Krimiheldinnen ist Annika Bengtzon kein androgynes Wesen und entwickelt sich auch nicht zur unnahbaren Superfrau. Ihre Schilderung wirkt so realistisch, dass man ihren Arbeitsplatz in der Redaktion der "Abendpresse" zu sehen glaubt. Liza Marklund hat 15 Jahre Berufserfahrung in das Buch einfließen lassen. Als Nachtreporterin einer Stockholmer Zeitung ist sie "buchstäblich durch Blutpfützen gewatet", wie sie in einem Interview erzählt. Auch das Drama der berufstätigen Mutter kennt sie: Marklund hat selbst drei Kinder, und die Koordination von Job und Familie gelingt erst richtig, seit sie Bücher schreibt. "Olympisches Feuer" ist das erste, das ins Deutsche übersetzt wurde. In Schweden hat es sich 400 000 mal verkauft. Mittlerweile arbeitet Marklund an ihrem dritten Buch. Weitere Annika-Bengtzon- Krimis sollen folgen.

Am Ende wird die Reporterin fast selbst das Opfer des Sprengstoffattentäters. Ihre Rettung ist nur die Folge von glücklichen Zufällen. Als sie schweißgebadet das Stadion verlässt, ist ein neuer Typus von Traumfrau geboren: ehrgeizig, intelligent, lebenshungrig und glücklicherweise überhaupt nicht perfekt.Liza Marklund: Olympisches Feuer. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2000. 400 Seiten, 44,90 DM.

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