Die Beatles im Comic : Wenn Troubadix das sehen könnte

Fab Four forever: Die Beatles leben in Comics weiter. Kleine Blätterkunde mit Klassikern und Neuerscheinungen.

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Pilzköpfe auf Papier. In „Der fünfte Beatle“ steht Manager Brian Epstein, der sich hier in der Autoscheibe spiegelt, im Zentrum.
Pilzköpfe auf Papier. In „Der fünfte Beatle“ steht Manager Brian Epstein, der sich hier in der Autoscheibe spiegelt, im Zentrum.Foto: Panini

Kreischkonzerte, Ohnmachtsanfälle, Polizeieinsätze – so sah die Beatlemania der sechziger Jahre aus. Jugendliche Dauererregung traf auf Staunen und Unverständnis bei den Älteren. Längst sind die überdrehten Teenies von damals selbst im Großelternalter. Doch die Beatlemania lebt fort. Natürlich in deutlich gesetzterer Form. Heute spiegelt sich die Begeisterung für die Band aus Liverpool in Musicals und Covershows sowie einem steten Veröffentlichungsstrom von Vinyl-Boxen, Radio-Archivaufnahmen, Fernsehdokumentationen, Briefeditionen.

In der retrobegeisterten Poplandschaft der Gegenwart sind die Beatles das Vorbild-Modell einer Langzeitauswertungslogik, die inzwischen bei jeder halbwegs großen Band der sechziger und siebziger Jahre zu beobachten ist und auch schon auf die Folgegenerationen übergreift. Dass bei den Fab Four auch Comics zur Produktpalette gehören, ist eine Besonderheit, die aber nur auf den ersten Blick erstaunt. Denn parallel zum Aufstieg der Beatles zum ersten globalen Pop-Phänomen explodierte in den Sechzigern auch die Comickultur. Sie wurde vielfältiger, mutiger und erreichte immer mehr Menschen. Die Band und die junge Kunstform waren Teil derselben teenageraffinen Sphäre. Und so begeisterten sich die Zeichner schon früh für die Gruppe. Der erste große Beatles-Comic „The Beatles: Complete Life Stories“ von Joe Sinnott erschien 1964 beim amerikanischen Dell Verlag – kurz nachdem in den USA das Album „Meet The Beatles“ herausgekommen war und die Gruppe durchs Land getourt war.

Seither hatten John, Paul, George und Ringo immer wieder Gastauftritte in Comics. Sie wurden mit Sonderheften gefeiert und in unzähligen Strips zitiert oder parodiert. So gibt es etwa im 1966 veröffentlichten „Asterix bei den Briten“ eine Szene, die den Konzertauftritt einer vierköpfigen Band mit einheitlichen Langhaarfrisuren zeigt. Obwohl sie blond sind, ist klar, dass die Beatles gemeint sind. Vor der Bühne herrscht Hysterie, Asterix hält das für einen Aufstand, bis ein Brite ihm erklärt, dass eine populäre Band für die Aufregung verantwortlich ist. Sie führe sogar die „Bardic Charts“ an. „Wenn das Troubadix sehen könnte!“, sagen die gallischen Gäste.

Die Beatles sind die am häufigsten gezeichnete Popband der Welt

Über 200 Illustrationen, die die Gruppe zeigen, haben Enzo Gentile und Fabio Schiavo für ihr Buch „The Beatles in Comic Strips“ von 2012 zusammengetragen. Die Beatles sind ohne Frage die am häufigsten gezeichnete Popgruppe der Welt. Wozu auch das britische Jugendmagazin „Look-In“ einen Beitrag leistete: Es veröffentlichte Anfang der Achtziger einen fortlaufenden Beatlesstrip des Zeichners Arthur Ranson und des Autors Angus Allan. In gesammelter Form ist er nun unter dem Titel „The Beatles – Die Graphic-Novel-Biografie“ (Boiselle & Ellert, 55 S., 19,90 €) erstmals auf Deutsch erschienen. Eine Ausgrabung, die allerdings in erster Linie wegen der feinen Schwarz-Weiß-Illustrationen des 1939 geborenen Zeichners von Bedeutung ist. Sein Stil wirkt fast fotorealistisch und orientiert sich sichtlich an zeitgenössischen Aufnahmen. Immer wieder gelingen ihm wunderbar komponierte Seiten, auf denen er ausdrucksstarke Porträts mit variablen Panelgrößen und vergrößerten Details kombiniert. Die Gesichter der Musiker trifft er dabei meisterhaft. Inhaltlich fällt das Werk deutlich ab. Die von der ursprünglichen Publikationsform herrührende episodisch-kursorische Erzählweise verhindert, dass die Geschichte einen Sog entwickelt. Auf nur 55 Seiten (darunter vier bislang unveröffentlichte) geben Allan/Ranson bestenfalls eine Einführung in die wichtigsten Fakten der Bandhistorie. An den Standard heutiger Musiker-Graphic-Novels, den etwa Reinhard Kleist mit seiner gezeichneten Johnny-Cash-Biografie gesetzt hat, reicht „The Beatles“ nicht heran.

Wie man einen überzeugenden Novel- Charakter erzielt und zudem der bekannten Beatles-Geschichte noch spannende Seiten abgewinnen kann, hat vor einigen Jahren Arne Bellstorf mit „Baby’s In Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe“ gezeigt. Der Zeichner, der auch schon für den Tagesspiegel gearbeitet hat, schaut durch die Augen der Hamburger Fotografin Astrid Kirchherr auf die Gruppe. Sie verliebt sich in deren damaligen Bassisten Stuart Sutcliffe, der bei ihr in Hamburg bleibt und sich wieder der Malerei zuwendet. Eine packende, in groben Schwarz-Weiß-Zeichnungen erzählte Graphic Novel.

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