Kultur : Die bessere Biennale

Der internationale Kunsttross feiert auf der 34. Art Basel ein Fest

Katrin Wittneven

In Basel sind sie nicht zu übersehen: Sternförmig nähern sich die meist direkt aus Venedig anreisenden Sammler, die nach außen hin gelassenen Galeristen und die ganz normalen Kunstwahnsinnigen – je nach Herkunft beladen mit feinsten Designerköfferchen oder den schlichten Leinenbeuteln, die es auf der Biennale zum Mitnehmen gab. Ihr Ziel ist die 34. Art Basel, die weltweit größte und wichtigste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Nirgends sonst finden sich in dieser Dichte hochkarätige Arbeiten, die von der klassischen Moderne bis zur jüngsten Kunstproduktion reichen.

Die Nachfrage, um an diesem alljährlichen „Museum auf Zeit“ teilzunehmen, ist enorm: Die 270 Galerien wurden aus einer Rekordzahl von 930 Bewerbern ausgewählt, die Wiederbewerbungsquote lag bei 99 Prozent. So ist auch in diesem Jahr die Teilnehmerliste erstklassig. Die Zulassung erfolgt durch eine internationale Jury von Kunsthändlern, die sich in den letzten Jahren verstärkt der zeitgenössischen Kunst geöffnet hat und – ganz im Einklang mit dem internationalen Ausstellungsgeschehen – speziell Regionen zugewandt hat, die lange als peripher angesehen wurden. Neben Teilnehmern aus den Metropolen der Kunstwelt – New York, London, Berlin, Köln oder Paris – kommt die Mehrzahl der neu zugelassenen Händler aus Osteuropa, Asien, Afrika oder Lateinamerika.

Trotz dieser richtigen und konsequenten Öffnung der Messe, in der sich zum einen die Globalität der Kunstwelt spiegelt, die aber auch in die Zukunft gerichtet ist – schließlich werden die kostbaren Werke der Klassischen Moderne immer rarer – sind es zunächst die großen Namen, die im Erdgeschoss der Art Basel begeistern. Schon auf dem Platz vor der Messe überzeugt die 40 Tonnen schwere zweiteilige Skulptur „Single Double Torus“ von Richard Serra. Im großzügigen Untergeschoss hängen dann Meisterwerke von Picasso, Matisse oder Max Ernst. Rasant geht es durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, vorbei an Porträts von Francis Bacon bis zu Andy Warhols Siebdrucken und abstrakten Gemälden von Gerhard Richter oder einer spiegelnden Skulptur von Jeff Koons, die an verknotete Ballons erinnert und aus der gleichen fünfteiligen Edition stammt wie die Außenskulptur am Potsdamer Platz. Der Berliner Galerist Max Hetzler hat sie bereits am Vormittag an eine Fondation verkauft. Doch es wäre naiv, anzunehmen, dass solche Geschäfte spontan getätigt würden. Die Verhandlungen für so hochpreisige Arbeiten beginnen häufig schon, wenn der Katalog Wochen vor der Messe erscheint und manchmal ziehen sie sich ein halbes Jahr hin. Über den Preis schweigt der Berliner Händler, wie auch sonst in Basel das Understatement regiert. Während auf anderen Kunstmessen die Veranstalter mit Millionenwerten und -verkäufen protzen, bleibt man in Basel diskret. Der Verkauf sei eine private Sache zwischen Sammler und Galeristen, meint Peter Vetsch, Kommunikationsmanager der Messe.

Nicht einmal die obligatorischen roten Punkte als Zeichen des Verkaufs kleben noch alle Händler, dennoch ist der Erfolg der 34. Art Basel nicht zu übersehen. Das Geld fließt proportional zu den Champagnercüplis, und im sonnigen Innenhof ist gerade nach der insgesamt enttäuschenden und überhitzten Biennale in Venedig die Stimmung glänzend. So mancher sieht in der eigens für große Skulpturen und Videoarbeiten reservierten 12000 Quadratmeter großen Halle „Art Unlimited“ schon jetzt die bessere Alternative zu den Gruppenausstellungen des Arsenals in Venedig.

Art Basel, bis 23 Juni, täglich 11 bis 19 Uhr. Katalog 55 Schweizer Franken. Weitere Informationen unter www.ArtBasel.com

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