Kultur : Die bestellte Braut

„Birthday Girl“: Nicole Kidman zieht alle Register

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John findet seine Entscheidung „mutig und vernünftig“, als er die Nummer seiner Kreditkarte in den Computer eingibt. Warum, so fragt er trotzig, soll man warten, bis man die Liebe seines Lebens im Supermarkt trifft? John, knopfäugig-trottelig gespielt von Ben Chaplin, will endlich ein Mann der Tat sein. Auf einer Internet-Seite hat er sich eine russische Frau ausgesucht. Aber die groben Pixel ihres Bildes lassen noch nicht ahnen, wer und was auf ihn zukommt. Auf jeden Fall wird sein bislang nicht besonders ereignisreiches englisches Provinzleben – in 20 Jahren als Bankangestellter hätte er es mal fast zum Abteilungsleiter gebracht – ein paar ordentliche Schlenker machen, wenn Nadja vor der Tür steht.

Nadja raucht Kette und kotzt erst mal aus dem Wagen. Doch die beiden geben sich alle Mühe, sofort auf Ehe zu machen. Sie kocht und strickt, beide schauen fern. Heimlich versucht John, die Ware bei der Vermittlungsagentur zu reklamieren, doch bleibt er in der Warteschleife hängen. Nadja erkennt das Problem und wendet ihre Bedroom Skills an, um John erstmal zu beruhigen. Da hast du, was du willst, sagt ihr verächtlicher Blick, als sie ihm in Windeseile einen runterholt.

Dabei hatte John doch jemanden gesucht, „mit dem man wirklich reden kann“. Nun hat er ein Alien im Haus. „Man kriegt die Männer schneller rum, wenn man nicht redet“, wird Nadja ihm später sagen und ihn fragen, warum er eigentlich mit seinen Bedürfnissen nicht auf professionelle Hilfe zurückgreift. Aber das ist eine andere Geschichte. Denn Regisseur Jez Butterworth und seine Brüder Stephen (Koproduktion) und Tom (Ko-Autor) konnten sich nicht für ein einziges Genre entscheiden. Sie lassen die Geschichte in eine wilde Krimi-Plotte münden.

Jez Butterworth ist 32 Jahre alt, sein zweiter Spielfilm hat rund 13 Millionen Dollar gekostet und startete in den USA mit 1000 Kopien. Ein kleiner, feiner Film, sagt man heute dazu. Das trifft zumindest auf den schönen Sarkasmus zu, mit dem er anfangs die absurden Anbahnungsschwierigkeiten zwischen den beiden Hauptpersonen ausleuchtet. Und es trifft zu auf Nicole Kidman, die – wie häufig in letzter Zeit – ganz gegen den Glamour früherer Karrierestationen besetzt ist. Hier zieht sie als russische Katalogbraut alle Register und sieht außerdem mit ihrem verschmierten Kajalstrich ziemlich sexy aus. Doch so richtig fügen sich die divergierenden Ebenen des Films nicht zusammen. „Birthday Girl“ wirkt wie eine Arbeitsprobe eines noch zu entdeckenden Komödien-Talents. Ralph Geisenhanslüke

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