Die Besten der Oper : Vertrauen ist besser

Stuttgart hat das Opernhaus des Jahres, Barrie Kosky ist der Regisseur des Jahres: Die "Opernwelt" hat ihre Bestenliste 2015/2016 ermittelt.

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Barrie Kosky, Regisseur des Jahres der "Opernwelt"-Kritkerumfrage
Barrie Kosky, Regisseur des Jahres der "Opernwelt"-KritkerumfrageFoto: Jan Windszus Photography/Komische Oper

Der Gewinner bei der diesjährigen Kritiker-Umfrage des Fachmagazins „Opernwelt“ ist: der Teamgeist! Mit der Wahl der Staatsoper Stuttgart zum „Opernhaus des Jahres“ wird nämlich nicht nur die Qualität der 2015/16 hier gezeigten Aufführungen gewürdigt, sondern vor allem auch das künstlerische Arbeitsethos, das in Stuttgart herrscht. Ziel des Intendanten Jossi Wieler – der als Regisseur stets im Doppelpack mit seinem Chefdramaturgen Sergio Morabito auftritt – ist es, in Stuttgart ein Musiktheater zu bieten, wie es so nur dort entstehen kann. Mit einem eingeschworenen Sängerensemble, aber eben auch mit einer szenischen Herangehensweise, die zunächst einmal Vertrauen in die Stücke setzt.

Wieler macht lieber Stadttheater als Startheater. Weil der 65-jährige Schweizer Regisseur immer ganz genau hinschaut. Und hinhört. „Wir verstehen uns als Übersetzer, die ein Stück für das Theater verwandeln“, sagt er im frisch erschienenen Jahrbuch der „Opernwelt“. „Nicht, indem wir eingreifen und ausklammern, was uns prima vista nicht interessiert, weil uns dazu nicht sofort etwas einfällt. Sondern, indem wir einen Dialog zwischen Zeiten und Epochen, Generationen und Kulturen stiften. Für uns besteht die Freiheit des Theatermenschen darin, dass er mit den Partituren nicht als autoritär Verfügender, sondern als kreativ-subversiver Spielender umgehen darf.“

Sänger des Jahres ist Christian Gerhaher

Ein Ansatz, den sicher auch Barrie Kosky unterschreiben würde, der diesmal zum „Regisseur des Jahres“ gekürt wurde. Vor allem für seinen „Macbeth“ in Zürich, wo er mit dem „Dirigenten des Jahres“ zusammenarbeitete, Teodor Currentzis. Aber natürlich auch für die Arbeit an der Komischen Oper Berlin, wo er in der vergangenen Saison „Hoffmanns Erzählungen“ und „Jewgeni Onegin“ inszenierte. Einen weiteren Regisseur, der mit seiner Stuttgarter „Salome“ die Fachpresse begeisterte, nämlich Kirill Serebrennikov, hat Kosky nach Berlin geholt. Gerade erarbeitet der Russe hier Rossinis „Barbier von Sevilla“, die Premiere findet am 9. Oktober statt.
Sänger des Jahres ist Christian Gerhaher, Bühnen- wie auch Kostümbildnerin des Jahres, mal wieder, Anna Viebrock, das beste Orchester spielte nach Meinung der Kritiker an der Münchner Oper, der beste Chor sang in Amsterdam.

Die beste Nachwuchssängerin kommt aus Berlin: Elsa Dreisig

Nach Berlin geht die Auszeichnung im Bereich Nachwuchs. Elsa Dreisig von der Staatsoper fiel hier besonders positiv auf: Im Oktober ist sie im Schillertheater in Glucks „Orfeo ed Euridice“ zu erleben, im Dezember singt sie dann die Pamina in der „Zauberflöte“.
Erstmals waren in diesem Jahr übrigens auch die Abonnenten der „Opernwelt“ aufgerufen, online mitzustimmen. Und siehe da: Fans und Kritiker waren sich in ihren Wertungen erstaunlich einig. Auch die Leser schätzen Barrie Kosky, ihr Sieger im Dirigentenfach, Kirill Petrenko, landete bei den Fachleuten auf Platz zwei. Große Begeisterung löste auf beiden Seiten Antonio Pappanos „Aida“-CD mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann aus. Für die Saison 2015/16 kann nun also gelten: Der Vorhang zu und keine Fragen offen.

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