Kultur : Die Besuchermassen blieben in Mitte

Lange Gesichter dürfte es gestern im Pressebüro der Messegesellschaft gegeben haben nach Auszählung der Publikumszahlen vom dritten "art forum berlin": unter 20 000 Besucher wurden registriert, mithin weniger als im Vorjahr, obwohl die Zahl der teilnehmenden Galerien mit 146 noch einmal deutlich erhöht worden war.Lange Gesichter gab es aber auch schon am Sonntagabend in den Messehallen selbst, als mit Schließung der Eingangsportals endgültig klar wurde, daß auch die dritte Auflage des "arts forum" kein großer händlerischer Erfolg war.

"Billig und jung" sei gut gegangen, so war zu hören, oberhalb der Schallgrenze von 100 000 Mark wurden hingegen kaum Verkäufe getätigt.Die Hoffnungen richten sich nun auf die von der Einkaufskommission des Bundes und verschiedenen Museumskuratoren gemachten Reservierungen, die nach weiteren Beratungen als tatsächliche Erwerbungen vollzogen werden könnten.Die Erklärung für das bis dato deprimierende Verkaufsergebnis - die schlechte Börsenlage habe ihren Tribut gefordert, da die großen Sammler gerade auf den Finanzmärkten ihr Geld machten - half da nur wenig über die herbe Enttäuschung hinweg.Auch nicht die Aussicht darauf, daß es den Kölnern im nächsten Monat mit ihrer "Art Cologne" wahrscheinlich ähnlich ergehen wird.

Zur Überraschung der Messeveranstalter selbst hatte sich der erhoffte Synergieeffekt nicht ausgezahlt: Zwar verzeichnete die Stadt einen außerordentlichen Publikumszuspruch nicht zuletzt durch die Eröffnungsfeierlichkeiten am Potsdamer Platz, doch in den alten Westen verloren sich die Massen kaum.Dafür profitierte die Berlin Biennale in ihrer Eröffnungswoche enorm von dem großen "Run".Insgesamt wurden 18 000 verkaufte Karten registriert, mit Premierenpublikum und Journalisten besuchten 24 000 Menschen die drei strategisch günstiger in Berlin-Mitte gelegenen Ausstellungsorte Postfuhramt, Kunst-Werke und Akademie der Künste am Pariser Platz.

Trotz der schlechten Erfahrung werden die European Galleries weiterhin an ihrem Konzept einer exklusiven Messe festhalten.Die Erwartungen richten sich nun auf den Regierungsumzug und den Standortwechsel wichtiger Verbände in die Hauptstadt, durch die erst die richtigen Käuferschichten in die Stadt kommen, wie es hieß.Die Identifikation mit der Stadt müsse stärker werden, gestanden die Veranstalter gestern selbstkritisch ein.Für die Hoffnungsträger der Kunststadt Berlin ist dies ein eher trauriges Fazit, denn damit hat sich ein weiteres Mal erwiesen, wie weit Berlin von seiner einstigen Bedeutung als Kunsthandelsmetropole noch entfernt ist. NK

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