Kultur : Die Brosamensammler

Zitat des Zitats der Verballhornung: „Scary Movie 3“ von David Zucker

Martin Schwickert

Mitte der 90er setzte Wes Cravens „Scream“ eine Welle von Horror-Filmen inGang, die sich selbst nicht mehr ernst nehmen wollten und ein weites Feld von ironischen Genrezitaten und Insider-Witzen eröffneten. Die Gebrüder Wayans setzten mit „Scary Movie“ noch eins drauf und verwursteten diese Genreparodien noch einmal zum finalen Horror-Trash.

Die einschlägigen Hits der letzten Jahre wurden zu einem wilden Potpourri verquirlt und mit infantilem Teenagerhumor a la „American Pie“ versetzt. Die simple Rechnung ging auf und bescherte den ersten beiden Folgen ein amerikanisches Kino-Einspielergebnis von satten 233 Millionen Dollar. In dieser Saison stand das Recycling-Unternehmen jedoch vor dem Problem, dass das Genre in den vergangenen beiden Geschäftsjahren wenig parodietaugliches Material lieferte. Mühsam haben sich die Macher von „Scary Movie 3“ die Brosamen zusammen gesucht und richten nun ihr Augenmerk auf „übernatürliche“ Thriller vom Schlage der „Signs“, „The Sixth Sense“ oder „The Ring“.

Und weil der Appetit mit solchen Zitaten noch bei weitem nicht befriedigt ist, wird auch gleich noch „The Matrix“ und der ganz und gar genrefremde Eminem-Film „8 Mile“ mit in den Häcksler geworfen. Die Regie hat diesmal David Zucker übernommen, der mit seinen Film-Legenden „Hot Shots“ und „Die nackte Kanone“ als Urgroßvater der Genreverballhornung gilt. Aber ein solch abgetakeltes Franchise-Unternehmen kann offenbar selbst durch versiertes Fachpersonal nicht gerettet werden.

Filme wie „Scary Movie“ haben nur eine Chance, wenn sie ihr Publikum mit großer Pointen-Dichte in den Zustand wohligen Dauerkicherns versetzen. Der dritte Aufguss allerdings ist nur noch eine müde Nummernrevue mit extrem hoher Durchhängerfrequenz. Besonders langweilig sind die endlosen Sequenzen, in denen „8 Mile“ fast in gefühlter Originallänge zitiert wird, ohne dass die Imitation in eine wirkliche Parodie überführt würde.

So bleibt „Scary Movie 3“ immer wieder in seinen Zitaten stecken, flüchtet sich in äußerst voraussehbare Pointen und schlaffen Pennälerhumor. Vielleicht hätte man einfach noch ein paar Jahre warten sollen, bis das Genrematerial wieder mehr hergibt, aber das widerspricht nun mal den Marktgesetzen der Sequelbranche. Immerhin: „Scary Movie 4“ ist längst schon in Arbeit.

In 22 Berliner Kinozentren; Originalversion im Cinemaxx Potsdamer Platz und im Cinestar Sony Center

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben