Kultur : Die Cobra-Connection

Zum Tod des Malers Karel Appel

Bernhard Schulz

Die „Erste internationale Ausstellung der experimentellen Kunst“ im Amsterdamer Stedelijk Museum markierte Ende 1949 bereits den Höhepunkt der ein Jahr zuvor erst gegründeten Künstler- und Literatengruppe „Cobra“. Ihr Programm verkündete sie lautstark: „Die Ästhetik ist ein Tick der Zivilisation.“ Der Name steht für die drei Heimatstädte ihrer Protagonisten: Copenhagen, Brüssel, Amsterdam. Neben das bis dahin dominierende Paris traten in der Nachkriegszeit andere Kunstzentren – zum Umkreis der Gruppe zählten bald Künstler aus zehn Nationen.

Aus Amsterdam war der 1921 geborene Karel Appel dabei, der während des Krieges an der dortigen Akademie studiert hatte. Doch weder Surrealismus noch gar Realismus taugten länger als Bezugsrahmen. „Experiment“ wurde zum Zauberwort. Appel beschäftigte sich insbesondere mit Kinderzeichnungen als Inspirationsquelle; allgemein wurde die „nichtkünstlerische“ (Volks-)Kunst zur Anregerin. Dabei blieb Appel der Gegenständlichkeit treu, und sei es auch nur in versteckten Bildhinweisen, und malte bald in jenem farbenfrohen Expressionismus, den der Däne Asger Jorn seinen „Cobra“-Mitstreitern vermittelt hatte.

Nach dem schnellen Ende der in ihrer radikalen Subjektivität beispielgebenden „Cobra“ 1951 blieb Appel seinem gestischen Duktus treu. Große Wandbildaufträge folgten in den fünfziger Jahren, so für das Unesco-Gebäude in Paris. Den „Guggenheim Award“ erhielt er 1960 als jüngster Künstler dieses Preises.

„Manchmal wirkten die Bilder kindlich oder naiv, schizophren oder blöd“, sagte Appel einmal über seine Malerei: „Aber das war wichtig für mich. Denn für mich ist das Material die Farbe selbst.“ So wurden denn auch die Skulpturen, denen er sich zunehmend widmete, zu Manifesten der Farb- und Experimentierlust. Am Mittwoch ist Karel Appel, kurz nach seinem 85. Geburtstag, an seinem Alterssitz Zürich gestorben.

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