Kultur : Die Crème deutscher Rapper soll Kulturmuffel-Kids den Klassiker näher bringen

Hans von Seggern

Oha: "Goethe war ein Weiser, ein Meister des Reims, viele seiner Werke sind noch heute Nummer eins". Das Klassik-Merchandising der Kulturstadt Europas 1999 hat zum Goethe-Nietzsche-Gedenkjahr die Crème deutscher Rapper (Bürger Lars Dietrich) und Rauner (Joachim Witt) zusammengetrommelt, um den Kids der Viva-Generation das kulturelle Erbe näherzubringen. Auch zu früheren Zeiten dienten die Texte großer Autoren als Vorlagen zu Kompositionen, doch die Schuberts und Richard Straussens von heute nennen sich "Hypnotic Grooves feat. Jo van Nelsen" oder "Fast Food Cannibals". Es mag einleuchten, daß mancher Rapper vor den kunstvollen Knittelversen des berühmtesten Dramas deutscher Sprache den Hut zieht, und so ist der "Faust" das meistzitierte Werk des CD-Doppelpacks "Rosebud - Songs of Goethe and Nietzsche" (SPV). Nietzsches nihilistische Verse werden dagegen offenbar nur von wenigen Musikern als inspirierend empfunden. Der mit apokalyptischer Düsternis erfolgreiche Deutschpop-Veteran Joachim Witt dröhnt mit Grabesstimme: "Jetzt und ehedem". Auch für die bekanntesten Goethe-Zeilen fand sich ein Rauner: Blixa Bargeld grummelt sich durch die Todessymbolik der Verse "Über allen Gipfeln ist ruh". Bernd Kauffmann, Generalbeauftragter der Weimar 1999 - Kulturstadt Europa GmbH, ist sich sicher: "Hören Sie die Rosebud-CD, und geben Sie mir Recht: Sie hätte auch Goethe besser gefallen als die Hauptversammlungen der Goethegesellschaft." Vielleicht hätte dem solcherart Besungenen vor beidem gegraut.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben