Kultur : Die Csardasfürstin

Uwe Friedrich

In ihrer Berliner Zeit in den Zwanziger Jahren lebte die junge Sängerin Marta Eggerth mit ihrer Mutter in einer modernen Wohnung in Halensee. Hier putzte sie ihre Schuhe, wie wir aus einer alten Frauenzeitschrift erfahren. Für jedes Paar gab es einen extra Putzlappen. Besonders die rosa Pumps, da war Eggerth sicher, wären bald kaum wiederzuerkennen, wenn sie nicht sorgfältig gepflegt würden. Dieser Artikel und andere Kuriosa aus der langen Karriere der ungarischen Sängerin und Filmschauspielerin sind in einer liebevoll arrangierten Ausstellung zum 90. Geburtstag nun im Haus Ungarn zu besichtigen. Ausstellungskurator Miklós Königer hat viele der Andenken auf Flohmärkten gefunden, aber auch Raritäten aus dem Budapester Filmmuseum wurden nach Berlin ausgeliehen.

Marta Eggerth wurde vor 90 Jahren als Tochter eines Bankdirektors und der Sängerin Tilly Herzog in Berlin geboren. Die Mutter war äußerst ambitioniert und machte die kleine Marta zum Operettenwunderkind. Sie trat in weitgehend vergessenen Werken Paul Abrahams auf, ihr Temperament und die elegante Ausstrahlung kamen beim Publikum an. So wurde sie schnell für den Film entdeckt. Emmerich Kálmán brachte sie nach Hamburg, Eggerth wurde zum Ufa-Star. Zigaretten-Sammelbildchen zeugen davon ebenso wie zahllose Titelbilder auf Modemagazinen der Zeit. Bis 1938 spielt sie in mehr als zwanzig Operetten- und Musikfilmen aus England, Österreich, Italien und Deutschland. Bei den Dreharbeiten zum Film "Mein Herz ruft nach dir" lernte sie den polnischen Tenor Jan Kiepura kennen, den sie im Oktober 1936 in Kattowitz heiratete. Nach dem Anschluss Österreichs verlassen die beiden Europa und beginnen eine neue Karriere in den USA, wo sie in einigen Filmen mit Judy Garland und Gene Kelly spielte. Franz Lehárs "Lustige Witwe" wird nun das Erkennungszeichen des singenden Paares. Der Erfolg am Broadway war schlicht sensationell, in Chicago spielten sie das Werk auch auf Deutsch und Polnisch. Während Kiepura das verdiente Geld schnell wieder ausgibt, kauft Marta Eggerth nach je hundert Aufführungen der "Witwe" eine Immobilie in New York. Es wurden über 1 000 Aufführungen in fünf Sprachen, der Grundbesitz ist beträchtlich. Nach dem Krieg spielt Marta Eggerth in dem deutschen Film "Frühling in Berlin" und tritt auch hier mit ihrem Mann in der "Lustigen Witwe" auf. Als Kiepura 1966 stirbt, zieht sie sich zunächst zurück. 1998 spielt sie sich im ARD-Tatort "Nie wieder Oper" selbst. Zuletzt war sie im Fernsehen bei der Geburtstagsgala des österreichischen Fernsehens für Marcel Prawy zu sehen und zu hören, wo sie mit bemerkenswerter Alterstimme und großem Können ein ungarisches Lied sang. Ihren 90. Geburtstag feiert sie heute in New York, zum 100. Geburtstag ihres Mannes am 16. Mai wird sie in Wien erwartet.

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