Kultur : "Die Deutsche Oper ist nicht unterfinanziert"

Die Nachricht vom 19-Millionen-Defizit der Deutschen Oper Berlin hat auch eine lebhafte Debatte über die Verantwortung ihres Intendanten, Götz Friedrich, ausgelöst.Am gestrigen Montag stand Friedrich dem "Unterausschuß Theater" des Abgeordnetenhauses Rede und Antwort.Im Anschluß wurde die Einsetzung einer Arbeitsgruppe von Oper und Kulturverwaltung beschlossen, die bis zum 15.Juni ein Konsolidierungskonzept erarbeiten soll.Kultursenator Peter Radunski erläutert in einem "Tagesspiegel"-Interview, warum er Friedrich noch eine Chance gibt.Das Gespräch führten Frederik Hanssen und Moritz Müller-Wirth.

TAGESSPIEGEL: Herr Radunski, 19 Millionen Mark Defizit bei der Deutschen Oper sprechen eine deutliche Sprache.Ist Götz Friedrich als Intendant noch zu halten?

RADUNSKI: Götz Friedrich leistet gute Arbeit, aber er muß jetzt nach langem Drängen und vielen Gesprächen mit uns ein strukturelles Sanierungskonzept erarbeiten.

TAGESSPIEGEL: Diese Erkenntnis kommt nicht gerade früh.Seit Jahren weiß man, daß die Deutsche Oper die Etatvorgaben ignoriert.

RADUNSKI: Das ist jetzt definitif zu Ende.

TAGESSPIEGEL: Diese Hoffnung wurde in den letzten Jahren immer wieder enttäuscht.

RADUNSKI: Ab sofort müssen alle Ausgaben, die Friedrich tätigen will, von seinem Verwaltungsdirektor gegengezeichnet werden, wie dies auch bei der Staatsoper bereits üblich ist.Außerdem werden wir eine Wirtschaftsprüfungsfirma beauftragen, dafür zu sorgen, daß die von uns vorgegebenen Haushaltsrichtlinien jederzeit nachprüfbar sind und eingehalten werden.Zudem habe ich den Rechnungshof gebeten, weitere Einsparpotentiale vorzuschlagen.Fest steht: mit einer jährlichen Subventionssumme von 80 Millionen Mark ist die Deutsche Oper nicht unterfinanziert.Außerdem ist der Anteil am Kulturhaushalt, den die drei Opernhäuser erhalten, mit 230 Millionen Mark, ein erheblicher.Das ist weltweit einmalig.

TAGESSPIEGEL: Mit welchen Konsequenzen muß Götz Friedrich rechnen, sollte es ein weiteres Mal zu einer Etatüberschreitung kommen?

RADUNSKI:Es wird als Zusatz zu seinem Intendantenvertrag eine Zielvereinbarung geschlossen, die ihn definitiv bindet, die Vorgaben einzuhalten.Götz Friedrich muß auch der Öffentlichkeit zeigen, daß er willens und in der Lage ist, mit uns in diesem Sinne zu verfahren.Ich weiß, daß er dies tun wird.Im übrigen: im Betriebsrat der Deutschen Oper sitzen meine wichtigsten Verbündeten, was die Umsetzung der notwendigen Umstrukturierungen betrifft.

TAGESSPIEGEL: Welche Summe muß Friedrich in welchem Zeitraum einsparen?

RADUNSKI: Spätestens bis zum Jahr 2001 muß er 13 Millionen Mark einbringen.Die restlichen sechs Millionen des Defizits, die 1995 entstanden sind, werden wir beisteuern.Aus der Einsicht, daß die Deutsche Oper damals Anspruch auf eine Budgetbereinigung in dieser Höhe gehabt hätte.Auf diese Summe hat er einen Anspruch.Den Rest muß er selbst erbringen.

TAGESSPIEGEL: Wie soll das geschehen?

RADUNSKI: Es gibt einen Einstellungsstop, viele der übertariflichen Zulagen müssen endlich abgeschafft werden.Teile der Verwaltung müssen ausgelagert und kostengünstiger gestaltet werden.Götz Friedrich hat sich außerdem bereit erklärt, meine Reformvorschläge für das Ballett zu akzeptieren, die er bisher immer abgelehnt hat.Daraus ergeben sich erhebliche Umstrukturierungsmöglichkeiten.

TAGESSPIEGEL: Was sagen Sie den anderen Häusern, die sich penibel an Ihre Sparvorgaben gehalten haben?

RADUNSKI: Ich kann gut verstehen, wenn dort mit Unverständnis reagiert wird.Alle können sich jedoch darauf verlassen, daß es in Zukunft keine Sonderbehandlung mehr geben wird.

TAGESSPIEGEL: Von den Mitteln aus dem Hauptstadtkulturfonds sollen für 1999 bereits weitere vier Millionen für die Deutsche Oper reserviert sein.

RADUNSKI: Das ist richtig.Aber auch der künstlerische Leiter der Staatsoper, Daniel Barenboim, erhält für seine Staatskapelle 4,6 Millionen aus der sogenannten "Leuchtturmfinanzierung", weitere 1,4 Millionen bekommt Claus Peymann für sein Berliner Ensemble.

TAGESSPIEGEL: Keine Sondervereinbarungen?

RADUNSKI: Es ist ein positives Beispiel dafür, daß der Bund sich seiner besonderen Verantwortung für die Berliner Kultur mehr und mehr bewußt wird.

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