Kultur : Die dreifache Frida

Blumenfeld, Cunningham und Horst: Erfolge bei der Fotoauktion der Villa Grisebach

Michaela Nolte

„Einbildungsroman“ nannte Erwin Blumenfeld seine Autobiografie, und auch in seinen frühen, dadaistischen Collagen finden derlei Wortschöpfungen ihre skurrilen, bisweilen sarkastischen Parallelen. Millionenbeträge wie auf den Inflationsbriefmarken der Original-Collage „Auktionshäuser“ erreichten die zwei aufgerufenen Werke aus den 20er- und 30er-Jahren zur gestrigen Fotografie-Auktion in der Villa Grisebach zwar nicht, doch fanden sie im Rahmen respektive knapp unterhalb der Schätzung Zuspruch. Der neue Eigentümer beider Collagen bleibt jedoch ebenso anonym wie der maskierte Kunde der „Auktionshäuser“, die für 8000 Euro zugeschlagen wurden.

Das Gesamtergebnis lag mit 530 000 Euro bereits vor den Nachverkäufen oberhalb der ursprünglichen Schätzungen, und so wirkte Peter Graf zu Eltz am Pult weitaus weniger ratlos als der Kunsthändler Alfred Flechtheim, den Blumenfeld auf „Berliner Kunst und ihren Spezialitäten“ (6000 Euro) mit der Halbwelt, vertreten durch die Jungfrau aus einem Tätowierbuch, vereinte. Für ein äußerst spannendes Bietgefecht sorgte Frida Kahlo, deren Porträts auf dem Fotografie-Markt durchaus keine Seltenheit sind. Doch Imogen Cunninghams 1931 entstandene Aufnahme, die auf 7000 Euro taxiert war, stellte in ihrer klaren Schärfe selbst zwei Vintages der mexikanischen Malerin von Gisèle Freund (1600 und 1700 Euro) in den Schatten. Für 20000 Euro erhielt eine private Bieterin im Saal den Zuschlag für Cunninghams Abzug von 1970, der preislich gleichauf mit El Lissitzkys unbetiteltem Fotogramm der 20er-Jahre lag, und die Spitze anführte.

Dora Maars auf 15 000 bis 20 000 Euro taxiertes „Portrait Pablo Picasso in Mougins“ konnte seine Position als Hauptlos unter den Künstlerporträts nicht einlösen, während Duane Michals dreifacher „René Magritte“ nach einem langen Gefecht zwischen drei Telefonen von 1500 auf 5600 Euro anstieg und in den deutschen Handel ging. Für Frantisek Drtikols faszinierenden Frauenakt „Die Befreiung“ gewährte ein deutscher Privatsammler 16 000 Euro, womit der 1930 entstandene Vintageprint des Pioniers der „Inszenierten Fotografie“ den oberen Schätzpreis mühelos erreichte. Ebenfalls im Rahmen der Taxen konnten Horst P. Horsts frühe Paraphrase der Aphrodite von Melos „Lisa with Money Plant“ (15000 Euro) zugeschlagen werden sowie Peter Lindberghs reizvolles Porträt des Models Christy Turlington, das als Titelbild den Katalog zierte, und für 10 500 Euro amerikanischem Privatbesitz zugeschlagen wurde. Als Auftakt der vier Frühjahrs-Auktionen im Hause Grisebach gestaltete sich das Fotografie-Ergebnis erfreulich vielversprechend.

Villa Grisebach, Fasanenstraße 25. Weitere Auktionen: heute, 10 Uhr, Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, 14.30 Uhr, Schätzwerte bis 3000 Euro

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