"Die Ehe der Maria Braun" : Ein "Bravo" für Ostermeier

Kurz vor dem 25. Todestag von Rainer Werner Fassbinder haben die Münchner Kammerspiele eine Theaterversion seines Filmes "Die Ehe der Maria Braun" auf die Bühne gebracht.

Thomas Ostermeier
Ein Chapeau für den Regisseur Thomas Ostermeier.Foto: ddp

MünchenDie Premiere von "Die Ehe der Maria Braun" wurde am Mittwochabend vom Publikum mit viel Applaus aufgenommen. Thomas Ostermeier inszenierte das Drama in einer tempreichen Szenenfolge mit einem hervorragend besetzten Ensemble. Insbesondere
Brigitte Hobmeier erntete als Maria Braun viele Bravorufe.

Die Geschichte um die junge Frau, die sich konsequent nach oben arbeitet, privat aber letztlich um ihr Glück betrogen wird, spielt auf einer den Mief der Nachkriegszeit verströmenden Bühne (Nina Wetzel). Marias Mann Hermann (Steven Scharf) muss einen Tag nach der Hochzeit in den Krieg ziehen. Als der Frau - fälschlicherweise - von seinem Tod berichtet wird, stürzt sie sich in eine Liebschaft mit einem US-Soldaten. Prompt erwischt sie der zurückgekehrte Hermann in flagranti. Bei einem folgenden Gerangel erschlägt Maria ihren Liebhaber. Die Schuld dafür nimmt Hermann auf sich, er geht ins Gefängnis.

Nun ist Marias einziges Ziel, zu wirtschaftlichem Wohlstand zu kommen, um Hermann später etwas bieten zu können. Dafür lässt sie sich auch mit ihrem Chef Karl Oswald (Jean-Pierre Cornu) ein, der mit Hermann heimlich einen Handel abschließt: Hermann bekommt die Hälfte seines Erbes, wenn er nach der Haft weggeht und erst auftaucht, wenn der bereits kranke Oswald gestorben ist. Als es so weit ist, erfährt Maria die Wahrheit und verzweifelt. Hat sich Ostermeier bisher ziemlich genau an die - gekürzte - Vorlage gehalten, so lässt er, anders als im Film, Maria eindeutig Selbstmord begehen.

Ansonsten enthält sich der Regisseur weitgehend einer eigenen Interpretation, arbeitet aber häufiger komische Momente heraus. Für ein erhöhtes Tempo und witzige Szenen sorgt, dass außer Maria alle Frauenrollen mit Männern sind, die sich bei Bedarf etwa schnell eine Perücke aufsetzen. Vor allem Hans Kremer zeigt ungeahnt komisches Talent. Insgesamt stellt sich allerdings bei all der Kurzweil keine intensive, nachhaltige Wirkung des Stückes ein. (mit dpa)

 

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