Kultur : Die Ehe ist ein Witz

SILVIA HALLENSLEBEN

Früher hatte es das Heiraten im Kino leicht, denn es stand, auch aus Zensurgründen, für anderes ein.Die Hochzeitsnacht war noch eine Metapher, die Eheschließung ein romantischer Akt für die Ewigkeit.Heute geht es beim Heiraten eher um Besitzstandssicherung, und der Sex ist spätestens mit dem Führerschein gegessen - und muß, jedenfalls im Kino, immer neue Erregungen erfinden, um uns noch zu fesseln.

Eine Variante des Heiratens im Kino ist der Polterabendfilm.In einem Polterabendfilm verzögern kurz vor der Hochzeit unvorhergesehene Begebenheiten und schicksalhafte Begegnungen deren Zustandekommen ins Ungewisse.Früher gab es wunderbare Polterabendfilme wie "Bringing up Baby" oder "It Happened One Night".Heute beginnen Polterabendfilme gleich mit dem Poterabend.In "Auf die stürmische Art" (Regie: Bronwen Hughes) wird das Brautpaar sogleich auseinandergerissen, um den Weg zur Hochzeit in Georgia getrennt anzutreten.Dann tritt ein verirrter Vogel in Aktion, der das Flugzeug des Bräutigams (Ben Affleck) aus der Luft holt und ihm seine Sitznachbarin in die Arme treibt.Die heißt Sarah und sieht wie die Versuchung in Person aus.

Die Ebene, auf der sich dieser Film bewegt, bezeichnet schon sein erstes hochzeitsverzögerndes Moment: ein Herzanfall, den der Brautgroßvater an besagtem Polterabend beim Anblick einer Stripperin erleidet.Im Sterben gesteht er dem Enkel die Wahrheit seines Lebens: "Die Ehe ist ein Gefängnis." Womit wir beim Thema wären: Das Elend der Ehe zieht sich als running gag-Stammtischwitz durch die nächsten 100 Minuten.Armer Ben! Armes Publikum! Es gibt zwar fast lustige Szenen, bei denen man sekundenlang hoffen kann, doch in einem Leslie-Nielsen-Film zu sein.Doch es gibt peinliche Szenen, zu viele.Etwa wenn in einem Hotel die Badtür nicht richtig schließen will, was den armen Ben in schlimme Phantasien treibt und uns den geschmackvollen Genuß erotischen Schattenspiels auf Tröpfchenstrukturglas beschert.Auch die Beziehungsgespräche zählen zu den peinlichen Szenen.

Das einzige, was an diesem Film angenehm überrascht, ist Sandra Bullock in der ungewohnten Rolle des schrill überdrehten Weibchens, hinter der sich dann aber bald doch wieder nur verhinderte Mütterlichkeit verbirgt.Sonst schlittert "Auf die stürmische Art" mit schnöder Verachtung bewährter Erzähltechniken auf einem Teppich durchgestylter Bilder in ein filmisches Nirwana, aus dem ihn auch ein richtiger Südstaatensturm mit herumtreibenden Rosenblättern nicht retten kann.Der Gerechtigkeit halber sei vermerkt, daß sich einige bei der Pressevorführung anwesende Teenies ganz herrlich amüsiert haben.

Auf 21 Berliner Leinwänden; Originalversion im Kino Kurbel

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