Kultur : Die Eid-Genossen

Ralph Eue

Das Ende am Anfang. Einer, der seinem Gegenüber, der Kamera, aus dem Kaffeesatz liest, wovon dieser Film handeln soll. "Wie ich das hier sehe", sagt ein Endvierziger in einnehmendem Schwyzerdütsch, "geht es darum, im Film etwas zu erhellen, ohne neu zu polarisieren oder zu fixieren durch größtmögliche Transparenz innerhalb des Themas ... Ja, es freut mich. Ich war selber überrascht, als ich diese Tasse gesehen habe. Es ist ja immer ein Risiko." Und schließlich, nach einem nochmaligen Blick in den Kaffeesatz aus der Tasse des Filmemachers: "Möchtest du auch mal schauen?"

Der Mann, der da spricht, zeichnet sich durch konzentrierte Offenheit aus. Daniele von Arb ist ein dickleibig-sanftmütiger Mensch, dem die Erzählung der eigenen Geschichte durch Rede, Gegenrede und Bild- oder Tondokumente eine nach innen wie nach außen gerichtete Belustigung über die eigene Naivität eingibt: Von Arb war zusammen mit zwei Schweizer Freunden (Peter Egloff und Urs Städeli) in den 70er Jahren Aktivist der Terrorszene und Waffenlieferant etwa für die Roten Brigaden, die griechische und spanische Untergrundbewegung, die palästinensische PFLP und die RAF. Heute führt Daniele von Arb, nach mehreren Gefängnisaufenthalten und vielen Umwegen - von der situationistischen Euphorie zum bewaffneten anti-imperialistischen Kampf, vom Kosmos der Spiritualität zur No-Future-Depression - eine Praxis für mediale Lebensberatung in der Schweiz.

"Do It" von Sabine Gisiger und Marcel Zwingli ist die Geschichte vieler Häutungen und Verwandlungen. Souverän vermeidet er dabei sämtliche Versuchungen, den Weg des Protagonisten als exemplarischen Fall zu verkaufen. Daniele von Arbs Parcours durch das letzte Viertel des vergangenen Jahrhunderts wird aus einer offenen, zuversichtlichen, aufgeräumten Haltung heraus erzählt. Motor dieser dokumentarisch-dramatischen Arbeit ist der Blick zweier Filmemacher auf einen Freund, der - mal näher, mal ferner - das gleiche Stück Geschichte ganz anders gelebt hat als sie selbst.

So wird daraus nicht nur ein aufmerksam-ironisches Zeitporträt, sondern auch eine Recherche um die Idee der Gerechtigkeit. Beim Festival von Locarno, wo "Do It" vor bereits zwei Jahren den Ersten Preis der Settimana della critica gewann, erklärten die Filmemacher: "Indem die Aufklärung mit der Idee der Freiheit es dem einzelnen Menschen anheim stellte, das Glück nach seiner Façon zu finden, legte sie den Grundstein für den weltanschaulichen Pluralismus der modernen Gesellschaften. Gerechtigkeit ist keine unbedingt konsensfähige, von allen geteilte moralische Kategorie mehr. Was mit Gerechtigkeit konkret gemeint ist, hängt vom jeweiligen weltanschaulichen Bezugspunkt ab. Wie tief die Abgründe zwischen den Weltanschauungen und den durch sie begründeten moralischen Geboten sein können und welche Katastrophen "gerechtes" Handeln anrichten kann - das 20. Jahrhundert hat es vorexerziert: Alle Massaker der letzten 70 Jahre begannen mit dem Aufruf zum gerechten Kampf."

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