Kultur : Die Energie eines Mediums

Stimmen zum Tod von Jürgen Gosch

Ulrich Matthes:

Ich habe vor der Zusammenarbeit mit Jürgen Gosch anders Theater gespielt als mit und ab jetzt nach ihm. Durch Gosch bin ich auch ein anderer geworden. Diese Erfahrung habe ich mit keinem Regisseur sonst gemacht, und vielleicht ist es so auch einigen Zuschauern unserer Aufführungen ergangen.

– Ulrich Matthes spielt die Titelrolle in Goschs „Onkel Wanja“-Inszenierung und die Hauptrolle in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ am Deutschen Theater Berlin.

Christian Grashof:

Wir Schauspieler haben Jürgen Gosch erlebt, als er schon wusste, wie es um ihn steht. Aber er schaffte es, dass man auf den Proben zusammenkam und es nie ein Warten war, ob es noch weitergeht. Da war an Gefühl, Klugheit und Kraft selbst in seinen knappen, leisen Bemerkungen noch alles da. Es war wie bei manchen großen Regisseuren: Jürgen brauchte nicht viele Worte, er war wie ein Medium mit geheimnisvollen Energien, die sich übertragen und einen dazu bringen, auch aus Andeutungen ein vieldeutiges Ganzes zu spielen.

– Christian Grashof spielt in Goschs letzten Inszenierungen „Onkel Wanja“, „Die Möwe“ und „Idomeneus“ am DT.

Bernd Wilms:

Bei Goschs „Virginia Woolf“ und beim „Sommernachtstraum“ war ich sein Dramaturg. Gosch braucht keinen Dramaturgen, wenn er Menschen erforscht und die geliebten Schauspieler. Ich war dabei – und war nie so glücklich, dass mir dieser Luxus zuteil wird: dass ich fürs Staunen bezahlt werde.

– Bernd Wilms war von 2001 bis 2008 Intendant am Deutschen Theater.

Oliver Reese:

Er war ein Theatermacher, der Schauspielern den Glauben an ihren Beruf zurückgeben konnte. Gosch hat sich in den letzten Jahren als Regisseur neu erfunden – und er hat dabei auch das Theater zu neuer Wahrheit geführt.

– Oliver Reese ist DT-Intendant bis zum Ende der Spielzeit.

Thomas Oberender:

Nie war das Leben lebendiger als in den Arbeiten von Jürgen Gosch. Sein Tod bricht die unvergleichliche Entwicklung eines Theatermannes ab, dessen Werk bis in die letzten Schlussphasen immer wieder von überraschenden und geradezu abenteuerlichen Erfindungen und Erfahrungen geprägt war. Damit hat er sich als Künstler auch selbst einige Male wieder neu erfunden. Mit zunehmendem Alter widmete sich Jürgen Gosch auch dem Flüchtigen und scheinbar Leichten, um eben darin mit unbestechlichem Blick auf das Drama der Sterblichkeit und des Lebens zu schauen.

– Thomas Oberender ist Dramatiker und Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, wo Goschs noch am Berliner Ensemble begonnene Inszenierung der „Bakchen“ am 26. Juli Premiere haben sollte.

Claus Peymann:

Jürgen Gosch war ein im Theater selten anzutreffender, feiner Gentleman und zugleich ein Probenzauberer, der seine Spieler auf bisher ungesehene Weise zu ihrem eigenen Selbst verführte.

– Claus Peymann ist Intendant des Berliner Ensembles.

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