Kultur : Die entfesselte Kamera: In „Blue Crush“ surft Blondie auf Hawai

KINO

Frank Noack

Wenn Schauspieler sich für gefährliche Aufnahmen nicht doubeln lassen und den Drehort mit Blutergüssen und Platzwunden verlassen, werden sie als Helden gefeiert. Doch daneben sollte man nicht die mutigen Kameramänner vergessen, die Kopf und Kragen riskieren, um die Action überhaupt auf die Leinwand zu bannen. Der Bergfilm-Pionier Arnold Fanck hat noch in der Stummfilmzeit Skifahrer zu Operateuren ausgebildet. In Hollywood stieg der Kameramann James Wong Howe auf Rollschuhen in den Boxring, um sich von den Schauspielern herumschubsen zu lassen. Man kann heute keinen Sport–Film mehr drehen, ohne die Kamera einem Sportler anzuvertrauen.

Der Hauptreiz von „Blue Crush“ liegt in der entfesselten Kamera, die von Surfern gehalten wurde. Regisseur John Stockwell und seinem Team gelingen verblüffende Unterwasseraufnahmen. Ständig möchte man sich ducken, wenn die Bretter aufeinander rasen und sich nur knapp verfehlen.

Als Genre hat der Wassersport-Film keinen guten Ruf. Wenn schon Wasser, dann mit der Titanic oder Moby Dick. Auch „Blue Crush“ ist nun wahrlich kein Meisterwerk, doch ein Film mit ein paar unterhaltsamen Überraschungen. Er erzählt die alte Jeder- kann-es-schaffen-Geschichte mit Variationen. Im Mittelpunkt stehen drei Surferinnen aus einfachen Verhältnissen, die sich auf Hawaii als Zimmermädchen durchschlagen und nebenbei für eine Meisterschaft trainieren. Die sanfte Heldin Anne Marie (Kate Bosworth) wird auch noch mit Rassismus konfrontiert, denn auf Hawaii ist sie mit ihrem blonden Haar ein unerwünschter Fremdling. Als Blondine nicht ernst genommen, mit der Erziehung einer 14-jährigen Schwester überfordert und zudem von einem fast tödlichen Surf-Unfall eingeschüchtert, wird Anne Marie zum siegreichen Underdog. Sie verliebt sich in einen Fußballprofi und erteilt drei fetten Rappern Surfunterricht. Schade, dass es dabei für die Boxfilm-erfahrene Michelle Rodriguez („Girlfight“) so wenig zu tun gibt. Sie darf ihrer besten Freundin bloß gute Ratschläge erteilen (in Berlin im Cinemaxx, Cinestar, Kubix, UCI Kinowelt).

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